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Anschlag in Ankara:Der Terror hat die Türkei längst verändert

Die Bombe ging genau dort hoch, wo die Menschen auf den Bus warten. Wer hier einen Sprengsatz zündet, will großen Kummer über das Land bringen. Augenzeugen berichteten von fünf bis sechs Fahrzeugen, die in Brand stünden. Die Regierung verhängte umgehend eine Nachrichtensperre - das ist gängige Praxis nach Anschlägen geworden. Staatspräsident Erdoğan lässt sich von seinen Sicherheitsleuten unterrichten. Premierminister Ahmet Davutoğlu berät sich mit seinen Ministern.

Im Fernsehen spricht jetzt Erdinç Yazıcı, Dozent der Gazi-Universität, zu den Zuschauern. "Das ist ein Anschlag, der direkt in das Herz der Landes zielt", sagt er. Mal wieder, denkt man sich.

In Europa schaut man mit Sorgen in die Türkei

Immer hat sich danach die Spirale der Gewalt ein Stück weit schneller gedreht. Der Terror hat das Land längst verändert. Am 12. Januar hatte sich in Istanbul, direkt vor der Sultanahmet-Moschee, ein Selbstmordattentäter inmitten einer Gruppe deutscher Touristen in die Luft gejagt. Zwölf Urlauber kamen ums Leben. Dafür sollen wieder die Islamisten vom IS verantwortlich sein.

Man verliert schon den Überblick darüber, wer wann wo in der Türkei tötet. Viele Touristen wollen schon nicht mehr kommen. Wirtschaftlich steht das Land vor einem schwierigen Jahr, wenn der Tourismus einbricht. Auch dieser Anschlag wird nicht ohne Folgen bleiben.

Mit Sorgen schaut man auch aus Brüssel auf dieses Land. In der Flüchtlingskrise soll es eine Schlüsselrolle einnehmen. Es will sich als verlässlicher Partner zeigen, der Europa die Verzweifelten aus Syrien abnimmt. Aber wie soll das gehen, wenn sich die Türken bald selbst in ihrem Land nicht mehr sicher fühlen können. Nach dem letzten Anschlag in Ankara hatte Davutoğlu seine Teilnahme am Gipfel in Brüssel abgesagt. Der Terroranschlag hatte den ganzen Zeitplan durcheinandergebracht. Ende der Woche steht wieder ein Krisengipfel an. Welche Folgen hat dieser Anschlag?

Am Kızılay-Platz in Ankara liegen die Glasscherben 700 Meter von der Explosionsstelle entfernt. Ausgebrannte Autos, Blaulicht. Die Polizei riegelte den Platz ab und warnte vor einer möglichen zweiten Bombe. Der Terror ist mitten in der Stadt. Und die Angst ist wieder da.