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Anschlag in der Türkei:Acht Deutsche getötet

Bei der Explosion in Istanbul werden neun weitere Deutsche zum Teil schwer verletzt. Die türkische Regierung macht die Terrormiliz IS für das Selbstmordattentat verantwortlich.

Bei einem Selbstmordanschlag vor der Blauen Moschee in Istanbul sind am Dienstag mindestens zehn Menschen getötet worden, darunter acht Deutsche. Bei dem Anschlag auf dem At Meydanı-Platz im Herzen der Istanbuler Altstadt wurden zudem 15 Menschen teils schwer verletzt. Den Sicherheitsbehörden zufolge zündete der Täter um 10.17 Uhr Ortszeit einen Sprengsatz vor dem berühmten Theodosius-Obelisken, den einst die Römer von Ägypten nach Konstantinopel gebracht hatten. Am Obelisken hielt sich gerade eine deutsche Reisegruppe auf. Premierminister Ahmet Davutoğlu informierte später Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die meisten Todesopfer und auch die meisten Verletzten seien Deutsche.

Die Regierung in Ankara gab bekannt, bei dem Selbstmordattentäter handele es sich um einen 28 Jahre alten Syrer, der der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angehört habe. Berichte der türkischen Nachrichtenagentur DHA wichen von dieser Darstellung allerdings ab: Der Täter sei ein Saudi gewesen, der aus Syrien in die Türkei gekommen sei. Sicherheitskreise hatten schon zuvor wissen lassen, die Art der Ausführung lasse auf einen Anschlag des IS schließen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte, sein Land sei "das erste Ziel von allen Terrororganisationen, die in dieser Region aktiv sind". Das Sicherheitskabinett kam zu einer Krisensitzung zusammen. Die Regierung bat die internationale Gemeinschaft um mehr Unterstützung und eine bessere Koordination im Kampf gegen den Terror.

"Die Terroristen sind Feinde aller freien Menschen, ja, sie sind Feinde aller Menschlichkeit", sagte Merkel am Dienstagabend in Berlin. "Genau diese Freiheit und unsere Entschlossenheit, gemeinsam mit unseren internationalen Partnern, gegen diese Terroristen vorzugehen, werden sich aber durchsetzen." Sie sprach den Angehörigen der Anschlagsopfer ihr Mitgefühl aus. Die Kanzlerin sagte den Attentätern von Istanbul einen "entschlossenen Kampf" an. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, der Anschlag habe "mitten auf das Herz von Istanbul gezielt, das wir alle als weltoffene Stadt kennen und schätzen. Im Auswärtigen Amt sei sofort ein Krisenstab eingerichtet worden, der gemeinsam mit den türkischen Behörden daran arbeite, die Hintergründe der Tat aufzuklären. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte am Dienstagabend an, in die Türkei zu reisen. Der Minister wolle seinen türkischen Amtskollegen treffen und sich ein Bild von der Lage machen.

Istanbul

Gleich neben dem Tatort stehen die Hagia Sophia und der Topkapi-Palast, zwei der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Istanbuls. Das Auswärtige Amt in Berlin rief alle Reisenden in Istanbul dazu auf, Menschenansammlungen zu meiden. Landesweit sei mit gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen zu rechnen. Über die genauere Identität der Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Die türkischen Behörden verhängten nach dem Anschlag eine Informationssperre.

Das Berliner Unternehmen Lebenslust Touristik teilte am Dienstagabend mit, unter den acht Deutschen, die ums Leben kamen, seien mehrere Urlauber, die mit dem Veranstalter unterwegs gewesen waren. Die Reiseteilnehmer stammten aus dem gesamten Bundesgebiet. Am Dienstagabend boten die ersten deutschen Reiseveranstalter kostenfreie Stornierungen für Istanbulreisen an.

Weltweit löste der Angriff bestürzte Reaktionen aus. So haben Saudi-Arabien und Ägypten den Terroranschlag in Istanbul verurteilt. Das Königreich stehe im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite der Türkei und auch des Iraks, hieß es am Dienstag aus dem saudischen Außenministerium. Im Irak hatte es am Montag zwei Bombenanschläge mit mehr als 30 Toten gegeben. Ein Sprecher des Außenministeriums in Kairo drückte sein Beileid für die Familien der Opfer von Istanbul aus. Er rief die internationale Gemeinschaft auf, sich angesichts des Terrorismus zu vereinen.

Dieser ziele darauf ab, weltweit die Stabilität zu untergraben. Der IS kontrolliert in den türkischen Nachbarstaaten Syrien und Irak große Gebiete. Der Türkei wurde lange vorgeworfen, ungenügend gegen den IS vorzugehen und den Nachschub der Terroristen nicht entschlossen genug zu unterbinden. Inzwischen hat sich die türkische Regierung dem internationalen Kampf gegen die Islamisten-Gruppe angeschlossen. Seit Juli vergangenen Jahres gestattet die Regierung in Ankara den Vereinigten Staaten, vom Luftwaffenstützpunkt Incirlik aus IS-Stellungen in Syrien anzugreifen. Zuvor waren bei einem Anschlag in der türkischen Grenzstadt Suruç, zu dem sich der IS bekannte, mehr als 30 Menschen ermordet worden. Im Oktober sprengten sich dann zwei Selbstmordattentäter bei einer Friedensdemonstration in Ankara in die Luft, wobei mehr als hundert Menschen getötet wurden. Auch zu dieser Tat bekannte sich der IS.