Anschlag auf US-Konsulat Verwässerte Wortwahl

Am Samstag dann verwässerte die CIA ihren Text völlig. Nicht nur waren in der Fassung vom Samstagmittag die Namen "al-Qaida" und "al-Scharia" verschwunden, sondern auch frühe Warnungen der CIA, ältere Anschläge in Bengasi oder die mögliche "Beobachtung" des US-Konsulats durch Terroristen. Offiziell hatte in Bengasi auch kein "Angriff" stattgefunden, sondern eine "gewalttätige Demo".

Das konservative Blatt Weekly Standard und der Sender ABC haben jetzt einige der internen E-Mails veröffentlicht. Offensichtlich stammen sie von Republikanern im Parlament, die den Fall untersuchen und dafür Material aus dem Weißen Haus erhalten haben. Der Kontext der E-Mails oder deren Absender ist nicht immer eindeutig, und angesichts der Parteilichkeit in Washington muss man die neuen Enthüllungen mit Vorsicht sehen.

Doch selbst bei nüchterner Betrachtung drängt sich inzwischen die Frage auf, ob das Weiße Haus und das Außenministerium noch im Rahmen des Erlaubten handelten. Es ist in der Politik üblich, Ereignissen einen bestimmten Dreh, einen "spin" zu geben. Allerdings nur so lange, wie die Öffentlichkeit nicht getäuscht wird. Im Fall Bengasi wurde mindestens eine große Portion der Wahrheit verschwiegen.

Obamas Sprecher Jay Carney hat erklärt, das Weiße Haus habe nur ein Detail der Sprachregelung geändert: Es habe aus dem "Konsulat" in Bengasi einen "diplomatischen Außenposten" gemacht. Aber Carney hat auch schon beteuert, der Bengasi-Text sei im September allein unter Geheimdienst-Experten entstanden (also: ohne politischen Einfluss). Das aber scheint nicht zu stimmen: Denn am Samstag, den 15. September, wurde der Text ja sogar bei einem Treffen im Weißen Haus entschärft.

"Es ist unverzeihlich"

Aus dem Umfeld von Victoria Nuland, der damaligen Sprecherin Clintons, heißt es, sie habe niemanden täuschen wollen. Sie habe nicht den Wahlkampf beeinflussen, sondern ihr Ministerium verteidigen wollen. Die CIA habe mit ihrem Text nur versucht, sich selbst reinzuwaschen.

Wenn jemand weiß, wie man große und kleine Skandale aussitzt, dann ist es Hillary Clinton. Als sie im Januar, während ihrer letzten Tage als Außenministerin, im US-Senat zum Fall Bengasi vernommen wurde, zeigte sie sich mal betroffen, mal gerührt, manchmal auch zornig. "Vier Amerikaner sind gestorben. Ob wegen eines Protests, oder wegen ein paar Kerlen, die spazieren gingen und sich vornahmen, Amerikaner zu töten - welche Rolle spielt das jetzt noch", fragte Clinton und riss die Arme in die Höhe. In der Tat: Es dürfte der Öffentlichkeit egal sein. Nicht egal wäre es allerdings, wenn Clinton die Öffentlichkeit belogen oder zur Lüge angestiftet hätte.

In der vergangenen Woche hat der Diplomat Gregory Hicks im Parlament ausgesagt, er habe sich nach dem 11. September 2012 im Ministerium erkundigt, warum die Einrichtung in Bengasi nicht besser geschützt worden sei. Er sei deswegen an höchster Stelle kritisiert und sogar ausgegrenzt worden.

Der Fall wird Clinton nicht loslassen. Als sie sich im Januar dem Parlament stellen musste, sagte der rechte Senator Rand Paul: "Wäre ich damals Präsident gewesen, hätte ich sie entlassen. Es ist unverzeihlich." Paul möchte - wie Clinton - im Jahr 2016 selbst gerne Präsident werden.