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Anschlag auf Reina-Nachtclub:Türkische Behörden verdächtigen Familienvater als Attentäter von Istanbul

Silvester 2016/17 - Istanbul

Momentaufnahme des gemeinsamen Jahreswechsels im Ortakoy-Bezirk in Istanbul. Silvester ist kein islamisches Fest und Großveranstaltungen wurden bereits im Vorfeld kritisiert.

(Foto: dpa)
  • Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sieht in dem Anschlag auf einen Istanbuler Nachtclub einen Versuch die Gesellschaft zu spalten.
  • Vor dem Attentat wurde in der Türkei diskutiert, ob Silvester als "unislamisches" Fest überhaupt gefeiert werden sollte.
  • Medienberichten zufolge könnte der Täter aus Kirgisien stammen.

Das Ziel des Anschlags von Istanbul in der Silvesternacht ist nach Ansicht des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan eine Spaltung der türkischen Gesellschaft. Der Angriff "sollte einen Riss in der Gesellschaft verursachen und sie polarisieren", sagte Erdoğan am Mittwoch in seiner ersten Rede seit dem Angriff auf den Nachtclub Reina.

Am Sonntagmorgen hat ein Angreifer in dem Lokal 39 Menschen getötet. Später hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Anschlag für sich beansprucht. In dem Bekennerschreiben führte sie aus, es sei darum gegangen, die "Feier in Trauer umzuwandeln". Vor allem säkulare Türken hatten den Anschlag auf die Silvesterparty als Angriff auf die liberale Lebensweise vieler Bürger gewertet.

Anschlag in Istanbul Zwei Festnahmen am Istanbuler Flughafen
Anschlag in Istanbul

Zwei Festnahmen am Istanbuler Flughafen

Bei den Verdächtigen soll es sich türkischen Medienberichten zufolge um Ausländer handeln. Der Attentäter soll aus Usbekistan oder Kirgisistan stammen.

Es gab eine Debatte darüber, ob Silvester ein islamisches Fest ist

Tage vor dem Anschlag hatte es zudem in der Türkei eine Debatte darüber gegeben, ob Silvester zu feiern sei. Die Religionsbehörde hatte das Fest in der Freitagspredigt als "unislamisch" bezeichnet, den Anschlag auf das Nachtlokal aber später aufs Schärfste verurteilt. Radikale nationalistische Gruppen hatten aggressiv Stimmung gegen Weihnachts- und Silvesterfeiern gemacht.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Land über Lebensstile debattiert. Vor wenigen Monaten war eine Frau in kurzen Shorts in einem Bus von einem Mann angegriffen worden, der sich durch ihre Kleidung provoziert fühlte. Erdoğan versicherte in seiner Rede, die Lebensweise von niemandem in der Türkei sei systematisch bedroht: "Das würden wir nie zulassen."

Manche würden behaupten, dass man sich in der Türkei nicht so anziehen dürfe wie man wolle, aber das sei eine "Lüge". Erdoğan sagte weiter, er habe in der Vergangenheit "Anblicke oder Äußerungen kritisiert", aber sich "niemals" in private Entscheidungen eingemischt.