Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt Polnischer Lkw als Tatwaffe

  • Der Sattelschlepper, der bei dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt verwendet wurde, gehört einer polnischen Spedition.
  • Der Chef der Firma geht davon aus, dass das Fahrzeug entwendet und der Fahrer entführt wurde.
  • Einem Firmenmitarbeiter zufolge zeigt die Auswertung der GPS-Daten des Fahrzeugs einige Auffälligkeiten.
Von Thomas Urban

Der Lkw, mit dem der Anschlag in Berlin verübt wurde, gehört der Firma UT Ariel Żurawski aus Gryfino (deutsch: Greifenhagen) bei Stettin in der Wojewodschaft Westpommern. Das UT steht für "Uslugi Transportowe" (Transportdienste). Auf der Webseite der Firma, auf der sich auch deutschsprachige Informationen finden, ist ein 38-Tonner des zum VW-Konzern gehörenden schwedischen Herstellers Scania abgebildet. In der Bildergalerie des Unternehmens ist sogar genau das Fahrzeug mit dem Kennzeichen "GDA 08J5" aus dem Landkreis Danzig (Powiat Gdański) zu sehen, das am Montag in den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche raste.

Wie Firmenchef Ariel Żurawski polnischen Medien mitteilte, befand sich der Sattelschlepper, den er erst vor einem halben Jahr gekauft hatte, am Montag auf der Fahrt von Italien nach Berlin. Geladen hatte er 25 Tonnen Stahlgerüste. Ursprünglich sollte er am Montagabend in Berlin eine Zuladung aufnehmen, doch wurde dieser Termin auf Dienstagmorgen verschoben. Der Fahrer erhielt die Anweisung, auf einem Parkplatz bei oder in Berlin zu übernachten.

Bei dem Fahrer handelte es sich um einen Cousin Żurawskis. Der Firmenchef sagte: "Für ihn lege ich meine Hand ins Feuer, er fährt 15 Jahre ohne jegliche Zwischenfälle für uns." Er nehme an, dass der Lkw entführt worden sei. "Meinem Cousin wurde etwas angetan." Dafür spreche auch, dass dieser seit 16 Uhr am Montagnachmittag weder von seiner Frau, noch von ihm selbst erreicht werden konnte. Das habe ihn beunruhigt, sagte Żurawski.

Das polnische Fernsehen TVP berichtete unter Berufung auf ein Gespräch mit Żurawski, er habe mit seinem Cousin kurz vor 16 Uhr telefoniert. Dieser habe den Lkw unweit der Firma geparkt, die er anfahren solle. Der Cousin habe gesagt, auf der Straße sehe er "nur Muslime". Er wolle nun aussteigen und einen Döner essen, da er hungrig sei.

Die polnischen Medien sprachen auch mit einem Mitarbeiter der Firma. Ihm zufolge hat die Auswertung der über Funk in die Firmenzentrale übertragenen GPS-Daten des Sattelschleppers ergeben, dass zwischen 16 und 19 Uhr mehrmals erfolglos versucht wurde, diesen zu starten. Doch um 19.34 Uhr sei er losgefahren, allerdings in einer Weise, "als ob ein Anfänger Lkw-Fahren übt". Die polnische Polizei hat Żurawski befragt. Die GPS-Daten des Fahrzeugs werden an die deutschen Behörden weitergeleitet.

Die Polizei der Wojewodschaft Westpommern arbeitet seit vielen Jahren bei der Fahndung nach Straftätern eng mit den deutschen Behörden zusammen. Es gibt einen Expertenaustausch, gemeinsame Schulungen, auf beiden Seiten kommen zweisprachige Fahnder zum Einsatz.

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