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Anschlag am tunesischen Strand:Sousse - Ziel für Millionen Touristen

Die 170 000-Einwohner-Stadt Sousse ist eine Hochburg der tunesischen Tourismusindustrie. Die drittgrößte Stadt des Landes verfügt über eine schöne Altstadt und Hunderte Hotels, die bislang Jahr für Jahr Millionen von Touristen anziehen. Manche Hotels stehen dort allerdings auch schon seit Jahren leer. Das Imperial Marhaba Hotel - nach tunesischer Wertung ein 4,5-Sterne-Haus - ist besonders bei Pauschaltouristen beliebt. Es liegt direkt am Meer, verfügt über diverse Swimmingpools und bietet großen Luxus. Sousse und der fünf Kilometer entfernte Badeort El-Kantaoui liegen etwa 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Tunis.

Tunesiens Touristenhotels sind üblicherweise stark von privaten Sicherheitsdiensten bewacht. Jeder, der unbekannt ist und sich auf dem Gelände bewegt, wird befragt, ob er ein Hotelgast ist. Laut einem SZ-Mitarbeiter, der kürzlich vor Ort war, kann man hier fast von einer "gated community" sprechen, da sogar die Zufahrtswege stark bewacht werden. In dem künstlich angelegten Ort El-Kantaoui, der als Vorzeigeprojekt des Tourismus in Tunesien gilt, wohnen fast ausschließlich Urlauber. Das Imperial Marhaba liegt etwas nördlich der Marina (dem eigentlichen Touristenzentrum). In der Marina, die einem spanischen Pueblo blanco nachempfunden wurde, gibt es einige Restaurants und sogar einen kleinen Freizeitpark, der aber fast ausschließlich von Tunesiern genutzt wird.

Riu Hotels & Resorts ist eigentlich eine spanische Hotelkette mit mehr als 100 Hotels und 17 000 Beschäftigten bestehende Kette mit einer Milliarde Euro Umsatz. Seit 1976 hält der Reisekonzern Tui die Hälfte der Anteile an Riu. Somit wird das Hotel Imperial Marhaba auch von dem deutschen Touristikkonzern Tui betrieben.

Erinnerungen an den Anschlag auf das Bardo-Museum

Tunesien ist das einzige Land Nordafrikas, in dem nach dem arabischen Frühling 2011 ein friedlicher Übergang zur Demokratie gelungen ist. Das Land gilt zudem als der am weitesten säkularisierte Staat in der von religiösen Konflikten bestimmten Region.

Mitte März hatten zwei Bewaffnete in Tunis das berühmte Bardo-Nationalmuseum angegriffen und dabei 21 Touristen und einen Polizisten getötet. Genau wie damals zielen die Extremisten auch jetzt auf den Tourismus, die wichtigste Einnahmequelle des Landes.

Zumindest kurzfristig dürfte ihnen das gelungen sein, wie Reiseführerin Salwa al-Kadri bestätigt. "Die meisten ausländischen Überlebenden haben es vorgezogen abzureisen, wir koordinieren das mit ihren Reisebüros. Sie kamen als Touristen, aber sie haben den Tod mit eigenen Augen gesehen."

© SZ.de/dpa/AFP/Reuters/mcs/lala/olkl/dd

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