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Anschläge in Norwegen:Mutmaßlicher Attentäter legt Teilgeständnis ab

Der Terrorverdächtige Breivik hat ein erstes Geständnis abgelegt: Er gab zu, bei dem Jugendlager auf der Insel Utøya das Feuer eröffnet zu haben. Ob es einen zweiten Schützen gegeben hat, versucht die norwegische Polizei unter Hochdruck aufzuklären.

Der mutmaßliche Attentäter hat im Verhör einen Teil der Vorgänge bestätigt. Er habe aber keine Angaben über sein Motiv gemacht, sagte ein Polizeisprecher in einer Pressekonferenz am Samstagabend.

Rescue workers set up a camp across a lake, opposite the small, wooded island of Utoeya

Rettungsarbeiten am gegenüberliegenden Ufer der Insel.

(Foto: REUTERS)

Der Massenmord auf dem Feriencamp habe demnach etwa anderthalb Stunden angehalten. Der Täter habe sich sofort ergeben, als er von der Polizei dazu aufgefordert worden sei. Man habe eine Handwaffe und eine automatische Waffe gefunden.

Einen Tag nach dem Attentat steht Norwegen im Zeichen der Trauer. Ein Mann hatte in Oslo eine Autobome gezündet, sieben Menschen starben. Anschließend erschoss er in einem Ferienlager der norwegischen Jungsozialisten nach Polizeiangaben mindestens 85 Jugendliche.

Die Ferieninsel Utøya liegt im Tyrifjords. Boote fahren über den See, Taucher sind im Einsatz. Die Polizei fahndet nach weiteren Opfern - und nach einem möglichen Mittäter. "Wir suchen nach Leuten von beiden Kategorien", sagt ein Polizist der Süddeutschen Zeitung am Samstagnachmittag. Es gibt Zeugen, die von einem zweiten Schützen sprechen. Die Ermittler seien sich aber zur Zeit ziemlich sicher, dass es sich um einem Einzeltäter handele.

Auf Utøya sind keine Rettungskräfte mehr. Nur noch bewaffnete Polizisten gehen die Insel ab, sonst ist sie komplett abgesperrt. Vier oder fünf Jugendliche werden noch vermisst.

"Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg ist unser Land von einem Verbrechen dieses Ausmaßes getroffen worden", sagt Regierungschef Jens Stoltenberg auf einer Pressekonferenz. Er setze dennoch weiter auf eine offene Gesellschaft. Stoltenberg hat früher selbst an dem alljährlichen Sommerlager auf Utøya teilgenommen. "Utøya war das Paradies meiner Jugend. Gestern wurde es in eine Hölle verwandelt."

Am Nachmittag wurde in der Nähe von Stoltenberg ein Jugendlicher festgenommen, weil er ein Messer bei sich geführt hat. Er habe sich nach den Anschlägen nicht sicher gefühlt, sagte der etwa 20-Jährige.

Mutmaßlicher Täter offenbar aus dem rechtspopulistischen Milieu

Die Polizei hatte den mutmaßlichen Täter Anders Behring Breivik auf der Insel festgenommen. Breivik, 32, hat offenbar einen christlich-fundamentalistischen Standpunkt, sagt ein Polizeisprecher. Norwegens frühere Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, für die meisten Norweger eine Landesmutter, bezeichnete er im Internet als "Landesmörderin". Früher war er Mitglied der rechtspopulistischen Fortschrittspartei, teilte die Partei mit.

Der Täter nutzte für seine Autobombe womöglich einen aus Kunstdünger hergestellten Sprengsatz. Bei der Durchsuchung seines Bauernhofs fand die Polizei weitere 3000 Kilogramm Dünger, berichtet die Aftenposten.

Überlebende erzählen ihre Geschichten im norwegischen Rundfunk. Viele Teenager sprangen ins Wasser, um von der Insel zu entkommen. Der Sender NRK zeigt Bilder, wie Breivik ins Wasser schoss.

Die Zeitung VG, deren Verlagsgebäude in Oslo von der Explosion am Freitag getroffen wurde, berichtet auf ihrer Seite, wie die Jugendlichen sich auf der Insel verbarrikadierten. Sie flüchteten in einen Schlafsaal und schoben Tische und Matratzen vor die Tür. Draußen fielen Schüsse.

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