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Nach den Anschlägen in Norwegen:Trauerfeier am Ort des Massakers

Derweil ringt Norwegens Justiz mit dem richtigen Umgang mit dem Attentäter: Die Ermittler erwägen offenbar eine Strafverfolgung Breiviks wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Bislang sei dies aber nur "eine Möglichkeit", berichtete die Zeitung Aftenposten unter Berufung auf Staatsanwalt Christian Hatlo. Dies hätte Auswirkungen auf den Strafrahmen: Eine Verurteilung wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zieht in Norwegen eine Maximalstrafe von 30 Jahren Haft nach sich.

Norway attacks in Oslo and Utoya Island

Muss die ersten vier Wochen in völliger Isolation zubringen: Attentäter Anders Behring Breivik.

(Foto: dpa)

Die norwegische Polizei begann am Dienstagabend mit der Veröffentlichung der Namen von Opfern der beiden Anschläge. Zunächst wurden Namen, Alter und Heimatorte von vier Opfern bekannt gegeben. Dabei handelte es sich um drei Personen, die bei dem Bombenanschlag in Oslo getötet wurden, sowie eine Person, die auf der Insel Utøya zu Tode kam. Das Alter der Opfer liegt zwischen 23 und 61 Jahren.

Die sozialdemokratische Jugendorganisation Arbeidernes Ungdomsfylking (AUF) erklärte derweil, sie wolle die kleine Fjordinsel Utøya bei Oslo auch nach dem Massaker mit mindestens 68 Toten für ihre jährlichen Sommerlager nutzen. Der Vorsitzende der Jugendorganisation, Eskil Pedersen, sagte am Dienstag in Oslo: "In dieser Lage schicken wir eine klare Botschaft: Wir wollen uns Utøya zurückholen."

Trauerfeier am Ort des Massakers

Am Dienstagabend gedachten Tausende Menschen der Opfer von Utøya: Am Tyrifjord und nahe der Insel westlich von Norwegens Hauptstadt sprach die 16-jährige Helene Bøsei Olsen, deren Mutter am Freitag von dem Attentäter getötet worden war. Sie sagte nach Angaben des Fernsehsenders NRK: "Mama war Utøya, und Utøya war Mama. Ich vermisse sie so schrecklich."

Die 45-jährige Mutter hatte seit gut 20 Jahren in dem Sommerlager der sozialdemokratischen Parteijugend AUF gearbeitet, dessen Teilnehmer der Attentäter mit seinen zwei Schusswaffen angriff. Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg hatte Monica Bøsei bei einem Trauergottesdienst als eins der ihm gut bekannten Opfer genannt und gesagt: "Für viele von uns war sie Utøya."

Die Tochter überlebte das Massaker und sagte vor den Trauernden unter anderem: "Ich habe viele Bekannte verloren. Ich habe mehrere Freunde verloren. Und ich habe meine Mutter verloren." Sie sagte weiter: "Ich wünsche mir nicht, dass ihr den Terroristen hasst. Ich möchte, dass ihr denen, die ihr mögt, eure Liebe zeigt. Und dass ihr denen, die umgekommen sind, und ihren Angehörigen Wärme und gute Gedanken schickt."

Die Mutter war am Freitagnachmittag nach Medienangaben zusammen mit dem als Polizisten verkleideten Breivik auf einer Fähre nach Utøya gekommen. Dabei soll sie misstrauisch geworden sein und mit einem Wachmann für das Lager gesprochen haben. Breivik tötete daraufhin beide zu Beginn seines einstündigen Massakers.

© sueddeutsche.de/dpa/dapd/afis/liv/hai
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