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Anschläge in Norwegen:Angeblich Besuche in Großbritannien

Ähnlich ist es mit den anderen Einkäufen: nichts davon ist ungesetzlich. Selbst seine beiden Feuerwaffen besaß der Täter rechtmäßig, denn er hatte - wie viele Menschen im jagdbegeisterten Norwegen - einen Waffenschein. Diesen Umstand führt der Geheimdienst PST nun zu seiner Verteidigung ins Feld.

Geheimdienstchefin Janne Kristiansen hatte sich bislang in der Sache äußerst zurückgehalten, bei den Pressekonferenzen der Polizei war sie nie anwesend. Am Dienstag erschienen nun erstmals längere Interviews mit Kristiansen. Die PST- Chefin weist darin jede Kritik an ihrer Behörde zurück.

Die Einkäufe Breiviks und seine Waffenleidenschaft seien nicht ausreichend für einen Verdacht gewesen, erklärte sie Aftenposten. "Ich kenne viele Bergbauern. Die kaufen viel Dünger und haben bedeutende Mengen Waffen. Aber ich glaube nicht, dass ein Bauer Wert darauf legen würde, dass er aufgrund dieser Kombination in unser Register aufgenommen wird." Sie glaube, "nicht einmal die Stasi hätte diese Person aufgespürt - nach dem, was wir heute wissen".

Ein paar Unterschiede zwischen Breiviks Verhalten und dem eines Bergbauern sind inzwischen freilich doch entdeckt worden. Da wäre zum einen sein Interesse für Rechtsradikale. Breivik pflegte offenbar Internetkontakte zu antiislamischen Gruppierungen wie der Norwegian Defense League (NDL), der English Defense League (EDL) und auch der British National Party (BNP).

Die beiden letzteren Organisationen soll er, unbestätigten Berichten zufolge, auch in Großbritannien besucht haben. EDL und BNP bestreiten dies jedoch. Und auch dem Geheimdienst ist nichts aufgefallen. "Er erschien wie ein extrem gesetzestreuer Bürger", sagte PST-Chefin Kristiansen.

Bei aller Kritik gibt es in Norwegen auch viel Verständnis für die schwierige Arbeit der Fahnder. Justizminister Knut Storberget lobte am Dienstag ausdrücklich deren "phantastische Arbeit". Und die Beamten der Osloer Polizei, die versuchen, in der Hauptstadt wieder für Ruhe zu sorgen, sind für viele Norweger Helden. Streifenbeamte, die am Montag die große Gedenkveranstaltung sicherten, wurden oft mit lautem Applaus begrüßt.

Nach den Anschlägen in Norwegen

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