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Anschläge in Dresden:Ibrahim Ismail Turan hat seine eigene Abwehrreaktion

Nun sitzt die Dresdner Polizei in Person ihres Präsidenten Horst Kretzschmar in diesem Einsatzzentrum und liest mit zitternden Händen vom Blatt, was die Ermittler über die beiden Anschläge der Nacht bislang wissen und zu kommunizieren bereit sind. Neben dem Anschlag auf die Moschee hat es ja noch einen auf das Kongresszentrum in der Nähe des Landtags gegeben. Verrußungen an der Moschee, eine eingedrückte Tür - die Tatumstände sprechen für einen fremdenfeindlichen Hintergrund. Gesplittertes Glas auf der Freiterrasse des Kongresszentrums - das spreche für einen Zusammenhang zum Tag der Deutschen Einheit.

Statt Zahlen der Zuversicht zu verkünden, muss Kretzschmar nun also verknüpfen, was kaum zu verbinden ist: Er soll die Anschläge der vergangenen Nacht erklären und gleichzeitig, warum die Polizei trotzdem mit sicheren Feierlichkeiten zum 3. Oktober rechnet. Kretzschmar sagt, viele Maßnahmen würden nun vorgezogen, zudem gebe es Objektschutz für alle fünf islamischen Einrichtungen in Dresden.

Fragen gibt es trotzdem: Warum hat die Polizei erst kurz nach acht Uhr am Dienstagmorgen die Öffentlichkeit informiert? Diese Entscheidung sei aus ermittlungstaktischen Gründen getroffen worden, sagt Kretzschmar, . Warum sei die Moschee nach der Tat so schlecht gesichert gewesen. Stimmt es, dass dort am Morgen noch Menschen hätten ein- und ausgehen und damit potenziell Spuren verwischen können? Kretzschmar sagt: "Der Tatort wurde unmittelbar nach der Explosion abgesperrt, davon habe ich mich persönlich überzeugt."

Merkwürdige Parallele zum Oktoberfestattentat

Hat die Parallele zum Oktoberfestattentat etwas zu bedeuten, das nach allem verfügbaren Wissen einen rechtsextremen Hintergrund hatte und sich auf den Tag genau vor 36 Jahren ereignete? Schließlich ging der zweite, das Kongresszentrum betreffende Notruf 22.19 Uhr bei der Polizei ein, auf die Minute zum Zeitpunkt des Anschlags damals. Kretzschmar sagt, da wolle er noch nicht spekulieren.

Die Polizei ermittelt und sagt - zusammen mit Politik aus Stadt und Land - man dürfe sich jetzt nicht einschüchtern lassen. Ländermeile und Blaulichtmeile, Pavillons, Tanz und Diskussionen - das Festprogramm für Montag steht. Und es soll von der Angst nicht umgeworfen werden. Das ist die Abwehrreaktion der Institutionen.

Und auch Ibrahim Ismail Turan hat sich seine Abwehrreaktion schon überlegt. Am Dienstag flitzt er über den Hof der Moschee, er telefoniert, vermittelt Gespräche an seinen Vater, übersetzt für ihn wie auch die Mutter und vergisst zwischen all der Hektik nicht einmal, die Beamten höflich zu fragen, ob sie etwas trinken möchten. Und als er von seiner Angst erzählt hat, ist ihm wichtig, noch einen Satz nachzulegen: Spätestens übermorgen würde er dann schon ganz gerne mal wieder in die Schule gehen.

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