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Anschläge im Osten der Türkei:Erdoğan wirft Gülen vor, hinter den jüngsten Anschlägen zu stecken

  • Bei neuen Anschlägen im Osten der Türkei sterben zehn Menschen, 300 werden verletzt.
  • Erdoğan wirft Gülen vor, hinter den Attentaten zu stecken. Zuvor hatte die Regierung die kurdische PKK verantwortlich gemacht.
  • Allerdings gibt es zwischen der Gülen-Bewegung und der PKK kaum ideologische Gemeinsamkeiten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wirft dem Prediger Fethullah Gülen vor, hinter den jüngsten Anschlägen zu stecken, die der PKK zugeschrieben wurden. Die Türkei werde von mehreren terroristischen Gruppen angegriffen, die zusammenarbeiten, sagte das Staatsoberhaupt in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Anhänger Gülens seien Komplizen der kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Es gebe keinen Unterschied zwischen der Extremistenmiliz Islamischer Staat, den Gülen-Anhängern und der PKK, sagte Erdoğan. Die "terroristische Gülen-Gruppe" habe die PKK mit Informationen und geheimdienstlichen Erkenntnissen versorgt.

Die Regierung hält den in den USA lebenden Prediger für den Drahtzieher des versuchten Militärputsches am 15. Juli. Zwischen der Gülen-Bewegung und der PKK gibt es allerdings kaum ideologische Gemeinsamkeiten: Während die Anhänger Gülens religiös geprägten Vorstellungen folgen, geht es der PKK um die Autonomie des kurdischen Südosten der Türkei.

Drei Anschläge im Südosten

Im Südosten des Landes hatten sich den vergangenen Stunden insgesamt drei Anschläge ereignet, bei denen mindestens zehn Menschen starben. Bei einem Anschlag auf eine Polizeiwache in Elazığ wurden nach amtlichen Angaben drei Menschen durch eine Autobombe getötet und 217 verletzt. Bei der Explosion eines Sprengsatzes in der Provinz Bitlis starben nach Angaben aus Sicherheitskreisen vier Soldaten. Am Mittwochabend war eine Polizeiwache an der Grenze zum Iran angegriffen worden. Bei dem Anschlag mit einer Autobombe kamen drei Menschen ums Leben, mehr als 70 wurden verletzt. Zu den Angriffen hattte sich niemand bekannt.

Ministerpräsident hatte Binali Yıldırım die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK für die Attentate verantwortlich gemacht. Die PKK verübe Anschläge in der Türkei, wo immer dies möglich sei, sagte er in Elazığ. Verteidigungsminister Fikri Işık sagte nach den Anschlägen: "Wir werden die PKK ebenso stoppen wie wir (die Gülen-Organisation, Anm. d. Red.) Feto gestoppt haben."

Im Juli 2015 war nach zweieinhalb Jahren ein Waffenstillstand zwischen der PKK und der türkischen Regierung zerbrochen. Seitdem wurden hunderte Sicherheitskräfte bei Angriffen der PKK getötet. Die türkische Armee ging ihrerseits mit Härte gegen die PKK im Südosten des Landes vor. Dabei wurden Menschenrechtsvertretern zufolge auch zahlreiche Zivilisten getötet.

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