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Annäherung USA - Kuba:Der Charme des Dollars

A young man plays soccer on a street in Havana

Havanna wird sich schnell verändern, Wer es noch einmal ohne McDonald's sehen will, der sollte sich beeilen.

(Foto: REUTERS)

Viele Kubaner verbinden mit der Annäherung an die USA Hoffnung auf mehr Freiheit. Aber es wird jene Art von Freiheit sein, deren Tücken ihrem Land bislang erspart geblieben sind. Wer Havanna noch einmal ohne McDonald's sehen will, der sollte sich beeilen.

Kommentar von Boris Hermann, Panama-Stadt

Sie haben es tatsächlich getan. Barack Obama und Raúl Castro haben sich an einen Tisch gesetzt, sie haben sich unterhalten - und dann haben sie sich in aller Öffentlichkeit die Hand gegeben. Na bitte, geht doch.

Für einen Pragmatiker wie Raúl Castro gibt es im Grunde gar keine andere Wahl, als mit dem alten Klassenfeind zu paktieren. Kuba hat sich tapfer gewehrt in der vergangenen fünf Jahrzehnten, aber es war dabei stets von fremder Hilfe abhängig. Zunächst von der Solidarität aus der Sowjetunion, dann vom Erdöl aus dem chavistischen Venezuela. Die Sowjetunion gibt es schon lange nicht mehr, dem Untergang des Chavismus kann man derzeit live zusehen. Raúl Castro ist gut beraten, die Aufnahmebedingungen in einem neuen Freundeskreis auszuloten.

Von Washingtons Hinterhof zum Vorgarten Moskaus und Pekings

Auch der Friedensnobelpreisträger Barak Obama dürfte jenseits seines Versöhner-Syndroms ein ganz sachliches Interesse an einer Einigung mit Kuba haben. Lateinamerika war vielleicht einmal der Hinterhof von Washington, im Moment entwickelt es sich eher zum Vorgarten von Moskau und Peking.

Der wichtigste Handelspartner von Brasilien, Chile und Peru ist heute nicht mehr die USA, sondern China. Auch das kriselnde Argentinien hält sich mit chinesischen Krediten und russischen Handelsbeziehungen über Wasser. Russland engagiert sich verstärkt in Ecuador, China in Venezuela, Bolivien und Nicaragua.

Parallel dazu wächst in all diesen Ländern der Anti-Amerikanismus. Obama hat den alten Hinterhof lange vernachlässigt. Wenn er seinen Einfluss dort nicht vollends verlieren will, muss er endlich gegensteuern. Kuba ist nicht der schlechteste Anfang für eine Charmeoffensive.

Zumal der Charme des Dollars dort offenbar Wunder wirkt. "Obama ist ein ehrlicher Mann", der Satz stammt nicht vom Pressesprecher des Weißen Hauses, sondern von Raúl Castro. Viele Kubaner verbinden mit diesem ehrlichen Mann aus Washington die berechtigte Hoffnung auf mehr Freiheit. Aber es wird jene Art von Freiheit sein, deren Tücken ihrem Land bislang erspart geblieben sind.

Wer Havanna noch einmal ohne McDonald's sehen will, der sollte sich beeilen.

© SZ.de/lala
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