Annäherung im Atomstreit Iran und Großbritannien wollen diplomatische Gesandte ernennen

Vorsichtige Annäherung: Am Rand der Atomgespräche in Genf haben Großbritannien und Iran Medien zufolge vereinbart, bald diplomatisches Personal für das jeweils andere Land zu bestimmen. Angeblich will Teheran den UN-Inspektoren auch mehr Befugnisse bei der Kontrolle von Atomanlagen einräumen.

Iran und Großbritannien wollen nach Angaben iranischer Medien binnen der kommenden zwei Wochen diplomatisches Personal für das jeweils andere Land ernennen. Die Entscheidung sei bei einem Treffen der stellvertretenden Außenminister in Genf getroffen worden, meldete die Nachrichtenagentur Irna.

Großbritannien hatte seine Botschaft in Teheran Ende 2011 geschlossen, nachdem diese von islamistischen Studenten gestürmt worden war, und auch die Schließung der iranischen Botschaft in London verfügt.

Die Übereinkunft auf die Ernennung von Diplomaten sei bei einem Treffen zwischen Irans-Vizeaußenminister Mohammed Tacht Ravanschi und seinem britischen Gegenpart Simon Gass erzielt worden. Sie beiden sprachen am Rande der Atomverhandlungen zwischen Iran und den fünf UN-Vetomächten sowie Deutschland miteinander.

Iran will offenbar auch Kompromise beim Atomprogramm machen

Die sogenannten 5+1-Staaten und Iran setzen am Mittwoch ihre Gespräche über das umstrittene Atomprogramm Teherans fort. Dabei deutete Iran offenbar an, den Inspekteuren der UN größere Befugnisse zuzugestehen. Entsprechende Äußerungen von Außenamtsmitarbeiter Abbas Araghchi verbreitete die Nachrichtenagentur Irna. Mit Blick auf die Urananreicherung und das sogenannte Zusatzprotokoll zur Vereinbarung mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sagte Araghchi: "Keines dieser Themenfelder gehört zum ersten Schritt (des iranischen Vorschlags), sie gehören aber zu unseren letzten Schritten."

Das Zusatzprotokoll erlaubt UN-Inspektoren, in Iran auch unangekündigt Atomanlagen zu untersuchen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass es keine geheimen nuklearen Produktionsstätten gibt. Die Weltmächte fordern von Iran die Umsetzung des Protokolls. Sie verlangen zudem, dass die Islamische Republik ihr Programm zur Urananreicherung zurückfährt und hochradioaktive Arbeiten stoppt.

Teheran beharrt auf seinem Recht, ein friedliches Atomprogramm zu betreiben, einschließlich Urananreicherung. Das Land , ist nach eigener Darstellung aber bereit, die Anreicherung von Uran für die Stromerzeugung und medizinische Zwecke auf fünf Prozent zu begrenzen.

Iran hatte in Genf einen Drei-Stufen-Plan vorgelegt, um wieder Bewegung in die stockenden Verhandlungen zu bringen. Einzelheiten der Vorschläge wurden zunächst nicht mitgeteilt. Am Mittwoch wollen beiden Seiten einen genauen Fahrplan für weitere Verhandlungen ausarbeiten, die voraussichtlich auf Außenministerebene angesiedelt werden sollen. Nach Angaben von Abbas Araghchi sollen die nächsten Verhandlungen im November ebenfalls in Genf stattfinden.