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Ankündigung per Facebook:CDU-Abgeordnete will für jede Hassmail fünf Euro spenden

Cemile Giousouf sitzt im Bundestag und bekommt viel "tiefsinnige" Post.

Gerade bei Politikern, die sich mit Flüchtlingsfragen befassen, kommen in diesen Monaten mehr und mehr beleidigende E-Mails oder sogar Drohbotschaften an. Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoğuz (SPD) zeigte sich bereits im April besorgt über die steigende Zahl fremdenfeindlicher Hassmails. Nahezu täglich gingen bei ihr solche Schreiben ein.

Ihre Schmähungen haben die Hass-Autoren nicht allein für linke oder linksgerichtete Politiker reserviert. Auch bei der Bundestagsabgeordneten Cemile Giousouf gehen häufiger Negativbotschaften ein. Sie kommt aus NRW und ist die erste Muslima, die für die CDU in den Bundestag einzog.

In den vergangenen Monaten sei ihr Büro mit ganz besonderer Post behelligt worden, schreibt Giousouf auf ihrer Facebook-Seite: "Damit sich Eure Mühe lohnt, hab ich beschlossen für jede dieser tiefsinnigen Hassmails in Zukunft fünf Euro für Integrationskurse zu spenden."

Wenn Hetzer gegen sich selber spenden

Die CDU-Politikerin fordert die Schreiber ironisch auf, sich Mühe zu geben: "Euer Hass ist unser Ansporn!" Auf mehreren Fotos sieht man Giousouf mit Fünf-Euro-Scheinen wedeln.

Der Facebook-Post Giousoufs erinnert an eine ähnlich gelagerte Aktion des Zentrums Demokratische Kultur vom Oktober. Bei der Initiative "Hass hilft" soll für jeden rassistischen Kommentar im Internet ein Euro an eine Flüchtlingsprojekt oder Nazi-Aussteigerprogramm überwiesen werden. Damit spendeten "alle Hasser und Hetzer praktisch gegen sich selbst".

Aktiviert wird die Spende jeweils durch einen vom Zentrum bereitgestellten Gegenpost. Bis Freitagabend kamen so mehr als 2300 Euro zusammen. Gezahlt werden diese Spenden von FC St. Pauli, von Facebook und sechs weiteren Firmen (hier mehr zu "Hass hilft").

Cemile Giousouf will die Fünf-Euro-Spenden hingegen aus eigener Tasche zahlen. Hoffentlich wird sie dabei nicht arm.

© SZ.de/gal/dayk

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