Anhaltende Kämpfe:Bundeswehr fliegt Deutsche aus Südsudan aus

Angesichts der Eskalation im Südsudan bringt Deutschland seine Bürger in Sicherheit. Während die Aufständischen Armeeangaben zufolge die südliche Stadt Bor eingenommen haben, ruft Ex-Vizepräsident Machar zum Putsch auf.

Wegen der anhaltenden Gewalt im Südsudan will die Bundeswehr Deutsche aus dem Land ausfliegen. "Flugzeuge der Bundeswehr sind auf dem Weg nach Südsudan, um deutsche Staatsbürger zu evakuieren", teilte das Auswärtige Amt am Donnerstag mit.

Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos hatte zuvor der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, in Kürze würden zwei Bundeswehrmaschinen in die Hauptstadt Juba abfliegen. Eine Transportmaschine vom Typ Transall werde von Westafrika aus aufbrechen, wo die Luftwaffe an einem internationalen Einsatz beteiligt ist.

Wie viele Deutsche ausgeflogen werden sollte, teilte das Auswärtige Amt nicht mit. Es werde mit etwa 50 Personen gerechnet, die in Sicherheit gebracht werden müssten, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Sprecher. Die Deutsche Presseagentur meldete 50 bis 100 Deutsche.

Die Obleute des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags sollten am Mittag telefonisch über den Einsatz informiert werden, heiß es. Ob der Bundestag nachträglich zustimmen muss, war zunächst unklar. Das Parlament muss bei jedem bewaffneten Auslandseinsatz der Bundeswehr befragt werden.

Großbritannien und USA richten Luftbrücke ein

Auch andere westliche Staaten reagierten auf die zunehmenden Kämpfe und holen ihre Staatsbürger aus dem Land. Die USA hätten bereits mehr als 150 US-Bürger sowie Diplomaten außer Landes gebracht, sagte die stellvertretende US-Außenamtssprecherin Marie Harf in Washington. Auch Großbritannien schickte am Donnerstag Flugzeuge nach Juba, um seine Staatsangehörigen und andere Ausländer in Sicherheit zu bringen.

In den seit Sonntag andauernden Unruhen in dem jüngsten Staat der Welt sind nach UN-Informationen bereits bis zu 500 Menschen ums Leben gekommen. Die Kämpfe hatten in der Hauptstadt Juba begonnen und sich schnell auf andere Landesteile ausgeweitet. Bei dem Konflikt geht es um einen Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem im Juli entlassenen ehemaligen Stellvertreter Riek Machar.

Der hat nun die Armee des Landes zum Putsch gegen Staatschef Salva Kiir aufgefordert. Er rufe die ehemalige Rebellenorganisation und jetzt regierende Sudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM) "dazu auf, Salva Kiir von seinem Amt an der Staatsspitze zu stürzen", sagte Maschar am Donnerstag dem französischen Sender RFI.

Unterdessen hat die südsudanesische Armee die Kontrolle über die wichtige Stadt Bor im Osten des Landes an Aufständische verloren. Dies berichteten verschiedene Medien unter Berufung auf Angaben der Streitkräfte. "Unsere Soldaten haben die Kontrolle über Bor an die Kräfte von Riek Machar verloren", sagte ein Armeesprecher der britischen BBC zufolge.

Mindestens 19 Zivilisten sollen dabei ums Leben gekommen sein, sagte ein UN-Sprecher unter Berufung auf Angaben des südsudanesischen Roten Kreuzes, wie der britische Guardian berichtet. Viele Menschen in Bor flohen Augenzeugen zufolge in den umliegenden Busch.

Die Sudan Tribune meldete, Anhänger des regierungskritischen Generals Peter Gatdet Yakhätten hätten am Dienstag zunächst die Militärkasernen in der Hauptstadt des Bundesstaats Jonglei angegriffen und schließlich am Mittwochabend die ganze Stadt eingenommen. Der General sei auf die Seite der Rebellen gewechselt.

Ban Ki Moon besorgt

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich zutiefst besorgt über die Unruhen im Südsudan. "Das ist eine politische Krise, in die sofort mit politischem Dialog eingegriffen werden muss", sagte Ban in New York. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in den zwei UN-Gebäuden in Juba inzwischen etwa 20.000 schutzsuchende Zivilisten eingetroffen.

Der Südsudan, der durch die Abspaltung vom Sudan 2011 seine Unabhängigkeit erlangte, gilt als instabil und unterentwickelt. Allerdings verfügt das Land über große Ölreserven. Von 1983 bis zu einem Friedensabkommen im Jahr 2005 tobte ein Bürgerkrieg, in dem etwa zwei Millionen Menschen getötet wurden.

© dpa/afp//resi/gal
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