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Angriffe auf Islamisten-Stellungen in Libyen:Die geheimen Luftschläge der Vereinigten Arabischen Emirate

Surge in Libya violence condemned amid reports of UAE strikes

Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate haben US-Angaben zufolge in der vergangenen Woche Luftangriffe auf die libysche Hauptstadt Tripolis geflogen.

(Foto: dpa)

Haben Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate gemeinsam Luftangriffe auf Stellungen der Islamisten-Milizen in Libyen geflogen? Einem Bericht der "New York Times" zufolge ja - Ägypten bestreitet das. Jetzt warnt der Westen vor einer Einmischung von außen.

  • Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate sollen Libyen bombardiert haben, berichtet die New York Times. Es sei nicht das erste Mal, dass Ägypten und die Emirate zusammengearbeitet hätten.
  • Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi widerspricht der Darstellung der Zeitung.
  • Die Bewohner von Tripolis berichten von Bombenangriffen auf die Islamisten-Milizen in der Hauptstadt.
  • Die USA und ihre wichtigsten europäischen Partner verurteilen die "Eskalation der Gewalt" in Libyen.

Die "New York Times" berichtet von Luftangriffen auf Tripolis

Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sollen für die Luftangriffe auf islamistische Milizen in Libyen verantwortlich sein. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf hochrangige US-Beamte. Demnach sollen die Luftschläge ohne Wissen der US-Regierung erfolgt sein, weshalb sich Offizielle der US-Regierung darüber "sehr überrascht" gezeigt hätten. Jen Psaki, die Sprecherin des US-Außenministeriums, war zu keiner Stellungnahme bereit.

Ägypten habe die Flugplätze gestellt, die Emirate die Flugzeuge

Die US-Beamten teilten weiter mit, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate hätten bereits zuvor mindestens einmal zusammengearbeitet. So hätten ägyptische Spezialeinheiten, zu denen auch Kämpfer der Emirate gehörten, erfolgreich ein Islamisten-Camp nahe der libyschen Stadt Derna zerstört.

Laut New York Times hätte Ägypten die Flugplätze zur Verfügung gestellt, von denen die Angreifer starteten, die Emirate Kampfflugzeuge, Piloten und Tankflugzeuge.

Ägypten bestreitet Luftangriffe auf Tripolis

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi widersprach der Darstellung der New York Times und sagte, es befänden sich keine ägyptischen Truppen in Libyen. Auch hätten sich keine ägyptischen Flugzeuge an den Angriffen auf das Nachbarland beteiligt.

Libyens UN-Botschafter Ibrahim Dabbashi äußerte sich skeptisch über eine Beteiligung: "Sie sind nicht mal technisch dazu in der Lage und es wäre auch politisch ein sehr sensibles Thema für sie."

Einwohner von Tripolis berichten von Angriffen auf die Hauptstadt

Dennoch hatten Einwohner von Tripolis am Wochenende von Bombenangriffen auf die Hauptstadt berichtet. Auch vergangenen Montag gab es Angriffe auf Islamisten. Rebellengruppen aus der Stadt Misrata hatten für die Attacken bereits Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate verantwortlich gemacht. Nach Angaben der Attackierten wurden bei den Luftangriffen am Samstag zehn Menschen getötet und Dutzende verletzt.

Bislang zeigten die Angriffe Ägyptens und der Vereinigten Arabischen Emirate kaum Wirkung - der Vormarsch der Dschihadisten konnte bislang nicht gestoppt werden. Erst vor zwei Tagen hatten islamistische Milizen den internationalen Flughafen der Hauptstadt Tripolis eingenommen.

USA verurteilen Einmischung in Libyen

Die USA und ihre wichtigsten europäischen Partner verurteilten die "Eskalation der Gewalt" in Libyen. In einer von den Regierungen in Washington, Berlin, Paris, London und Rom unterzeichneten Erklärung wurde eine Rückkehr auf den Weg des "demokratischen Übergangs" gefordert. Die "Eskalation der Kämpfe und der Gewalt" werde "mit aller Stärke verurteilt".

Alle Konfliktparteien in Libyen müssten einem sofortigen Waffenstillstand zustimmen. In der in Washington veröffentlichten Erklärung wurden zudem "Einmischungen von außen" verurteilt, die die Spannungen in Libyen nur verschärften.

Die Einmischung von außen könnte die Kluft zwischen rivalisierenden Milizen vertiefen und den Übergang zur Demokratie schwächen, teilten die Partner USA, Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien mit.

Linktipp: SZ-Korrespondent Tomas Avenarius über Dschihadisten in Libyen, Irak und Syrien.