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Afghanistan: Taliban stürmen Hotel:Das tödliche Kalkül der Gotteskrieger

Machtdemonstration der Taliban: Während der Westen vorsichtig versucht, Verhandlungen mit den Islamisten aufzunehmen, stürmt ein Terrorkommando ein Luxushotel in Afghanistans Hauptstadt Kabul. Scheitern die Friedensgespräche, bevor sie richtig begonnen haben?

Kampfkulisse in Kabul: Schüsse peitschen durch die Nacht, Leuchtspurmunition zieht orangefarbene Fäden durch das Schwarz, Rotorblätter von Hubschraubern zerschneiden die Luft, Raketen schlagen ein. Das Gefecht dauert mehrere Stunden. Dann ist der Angriff auf das Kabuler Intercontinental Hotel niedergeschlagen.

Taliban Kämpfer Afghanistan

Blutiger Reigen: Taliban-Kämpfer im Distrikt Andar, Provinz Ghazni. Die Aufnahme stammt von 2009

(Foto: AFP)

Das Intercontinental liegt prominent auf einem Hügel in der Hauptstadt, es ist das älteste Luxushotel in Afghanistan. Acht Angreifer sterben an diesem Tag, ebenso viele Zivilisten und zwei Polizisten, wie afghanische Behörden berichten.

Es ist eine Machtdemonstration der Taliban: Die Islamisten bekennen sich inzwischen zu dem Angriff auf die noble Herberge. Sabiullah Mudschahid, ein Sprecher der radikalen Islamisten, schildert sogar, wie die fanatischen Angreifer bewaffnet waren: Mit Sprengstoffwesten und automatischen Waffen.

Die Nato in Kabul betont derweil, dass man Schlimmeres verhindert habe: "Es hat sich gezeigt, wie schnell wir bei solchen Angriffen reagieren", sagt ein Sprecher der Allianz zu sueddeutsche.de.

Als die Taliban das Hotel überfallen haben, hört der Deutsche Thomas Ruttig vom Thinktank Afghanistan Analysts Network eine einzelne laute Explosion. Ruttig weiß: Die Taliban sind seit langem dank zahlreichen Lecks im Behördenapparat bemerkenswert gut informiert, so auch über die Gespräche über den Abzug der westlichen Truppen in dem Hotel.

Angesichts des jüngsten Anschlages werden Parallelen gezogen zum Angriff eines Taliban-Selbstmordkommandos auf das Serena-Hotel in Kabul - das einzige Fünf-Sterne-Hotel des Landes im Januar 2008. Damals starben sieben Menschen, darunter ein norwegischer Journalist.

Attentäter durchkämmten Zimmer nach Ausländern

Die Attentäter der vergangenen Nacht suchten systematisch nach Ausländern, wie das Taliban-Sprachrohr Sabiullah Mudschahid verkündet, sie sollen Zimmer für Zimmer durchkämmt haben - offenbar ohne Erfolg.

Viele Ausländer seien nicht mehr im Intercontinental, erzählt Ruttig: Kein Wunder: Die Herberge nahm bereits 1969 seinen Betrieb auf, gehört aber seit langem nicht mehr zu der gleichnamigen internationalen Kette. Inzwischen tummeln sich dort vor allem wohlhabende Afghanen und feiern Hochzeiten.

Tatsächlich sind spektakuläre Angriffe der Islamisten keine Seltenheit, nur erregen Attacken auf Hotels, in denen Ausländer residieren, weitaus höhere Aufmerksamkeit als Morde an Lokalpolitikern oder niedergebrannte Polizeistationen.

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