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Angola:Vermeidbare Seuche

Yellow fever outbreak in Angola

Eine angolische Soldatin arbeitet bei einer Impfstation auf einem Markt in der Hauptstadt Luanda.

(Foto: Joost De Raeymaeker/dpa)

Weil die Regierung untätig bleibt, nehmen Gelbfieber-Erkrankungen in Angola und den Nachbarländern zu. Die Epidemie erinnert an die Ebola-Krise 2014.

Von Tobias Zick, Kapstadt

Wer als Ausländer nach Angola einreisen möchte, muss nachweisen, dass er gegen Gelbfieber geimpft ist, andernfalls lassen ihn die Behörden keinen einzigen Schritt in das Land tun. Ähnlich handhaben es die meisten anderen afrikanischen Staaten. Aus gutem Grund: In weiten Teilen der Tropen ist die Mücke der Art Aedes aegyptii heimisch, und selbst ein einziger eingeschleppter Fall der Viruserkrankung könnte durch die Insekten schnell auf andere Menschen übertragen werden und sich zur Seuche auswachsen.

Bei ihren eigenen Bürgern hingegen nimmt es die Regierung weniger genau. Die wenigsten Angolaner sind gegen die Krankheit geimpft, die am Beginn eines Ausbruchs meist per Mücke von Affen auf den Menschen übertragen wird. Letzteres ist wohl im Dezember 2015 in einem Vorort der Hauptstadt Luanda geschehen, und von dort aus hat sich das Virus in der dicht besiedelten Region schnell ausgebreitet und inzwischen 16 der 18 Provinzen des Landes erreicht. Offiziellen Angaben zufolge haben sich mehr als 2000 Menschen infiziert, mindestens 277 sind an dem Virus gestorben, und die benachbarte Demokratische Republik Kongo meldet 41 Krankheitsfälle. Einzelne Reisende haben den Erreger ins ostafrikanische Kenia und bis nach China mitgebracht.

Eigenständig weiterverbreitet hat er sich in solchen fernen Regionen bislang nicht. Noch nicht. Zwei US-amerikanische Wissenschaftler der Universität Georgetown, Daniel Lucey und Lawrence Gostin, warnen jetzt in einem Fachartikel, die Epidemie könnte sich zu einer globalen Krise auswachsen, wenn das Virus etwa nach Asien oder nach Lateinamerika überspringt. Aedes-aegyptii-Mücken gibt es dort reichlich (sie sind auch für die Übertragung von Zika- und Dengue-Viren verantwortlich), und das diesjährige, vom El-Niño-Wetterphänomen zusätzlich angeheizte feuchte Klima lässt sie besonders gedeihen.

Sorge bereitet den Wissenschaftlern vor allem der Mangel an Impfstoffen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat seit Beginn der Epidemie in Angola dafür gesorgt, dass dort inzwischen knapp sechs Millionen Bürger gegen Gelbfieber geimpft sind, rund ein Viertel der Bevölkerung. Die globalen Notfallreserven des Impfstoffs sind damit allerdings nahezu erschöpft. Die Herstellung ist aufwendig und teuer, und sie dauert etwa ein halbes Jahr. Sollte das Virus jetzt anderswo auf der Welt in größerem Umfang wüten, könnte die Lage schnell außer Kontrolle geraten. Lucey und Gostin fordern die WHO deshalb auf, schleunigst ein internationales Notfallkomitee einzusetzen und die Herstellung von Impfstoff voranzutreiben.

Die Epidemie erinnert an die Ebola-Krise in Westafrika 2014

Die Epidemie weckt Erinnerungen an die Ebola-Krise in Westafrika 2014; auch damals hatten verheerende Mängel in afrikanischen Gesundheitssystemen dazu beigetragen, dass eine nach heutigem Wissensstand kontrollierbare Krankheit zu einer internationalen Krise eskalierte. Im Gegensatz zu Ebola gibt es gegen Gelbfieber einen etablierten Impfstoff, und zwar bereits seit 1938. Mit seiner Hilfe konnte das Virus, das noch im 19. Jahrhundert in den USA Zehntausende Menschen tötete, in weiten Teilen der Welt eingedämmt werden. Inzwischen kommt die Krankheit fast nur noch in Afrika vor.

Nun ist Angola kein armes Land, sondern inzwischen der größte Erdölproduzent Afrikas. Die Eliten des Landes sind im Rest des Kontinents für ihren verschwenderischen Lebensstil bekannt, die Hauptstadt Luanda mit ihren neuen glitzernden Hochhäusern und Luxusrestaurants ist für Ausländer eine der teuersten Städte der Welt. Doch die Bedürfnisse der Bevölkerung vernachlässigt die Regierung. Die Bischöfe des Landes etwa beklagten in einem Schreiben im März die "Vernachlässigung des Gesundheitswesens", Mängel bei der "sanitären Grundversorgung" und der Versorgung mit Trinkwasser.

Nun liegt es, wie im Fall der Ebola-Krise, an der internationalen Gemeinschaft, Schlimmeres zu verhindern. "Wir hoffen, dass El Niño nicht schneller ist als wir", sagt Sylvie Briand, die Chefin der WHO-Abteilung für Epidemien.

© SZ vom 12.05.2016
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