Nachruf:Tod im Exil

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Nachruf: "Ich akzeptiere, dass ich Fehler gemacht habe", sagte José Eduardo dos Santos vor seinem Tod. Doch er hat kein Geld zurückgezahlt, für nichts die Verantwortung übernommen.

"Ich akzeptiere, dass ich Fehler gemacht habe", sagte José Eduardo dos Santos vor seinem Tod. Doch er hat kein Geld zurückgezahlt, für nichts die Verantwortung übernommen.

(Foto: Herculano Coroado Bumba/REUTERS)

José Eduardo dos Santos regierte 38 Jahre lang das ölreiche Angola und stahl Milliarden Dollar. Nun starb er unbehelligt in einer spanischen Privatklinik.

Von Bernd Dörries, Kapstadt

Man kann José Eduardo dos Santos zugute halten, dass er nicht den Personenkult betrieb, mit dem so viele alte Krieger auf dem afrikanischen Kontinent ihrer Bevölkerung auf die Nerven gingen. Robert Mugabe in Simbabwe etwa hielt stundenlange Reden und ließ schon zu Lebzeiten einen Flughafen nach sich benennen. José Eduardo dos Santos machte zumindest nicht allzu viel Gewese um seine Person, seine erste Rede als Präsident von Angola dauerte eine Minute und 54 Sekunden. Und so hielt er es dann auch die nächsten 38 Jahre an der Spitze des südafrikanischen Landes; er wird nicht für seine Auftritte in Erinnerung bleiben.

Am Freitag ist dos Santos mit 79 Jahren in Barcelona gestorben, in einer Privatklinik im selbst gewählten Exil. Mit ihm stirbt einer der letzten Kalten Krieger des Kontinents, ein Befreiungskämpfer, von dem das Land dann schließlich selbst befreit werden wollte - er hatte zumindest selbst ein Einsehen und trat 2017 aus freien Stücken zurück. Wohl wissend, dass sich die Begeisterung über seine Lebensleistung in der angolanischen Bevölkerung in Grenzen hielt, siedelte er ins sichere Barcelona über, zusammen mit geschätzten 20 Milliarden Euro, um die er die Bevölkerung betrogen hatte. In Europa, da war er sich offenbar sicher, würde man nicht allzu genau wissen wollen, was aus den Schätzen Angolas geworden ist. Er ließ ein ölreiches Land zurück, in dem 70 Prozent der Bevölkerung von weniger als zwei Dollar am Tag leben müssen.

Dos Santos ist selbst so aufgewachsen, in einem Slum der Hauptstadt Luanda, als Sohn eines Migranten und Maurers. Damals ist das Land noch eine portugiesische Kolonie, und dos Santos schließt sich schon zu Schulzeiten einer der oppositionellen Gruppen an, der marxistisch geprägten Volksbewegung zur Befreiung Angolas (MPLA).

Er darf zum Studium nach Moskau und Baku und steigt nach der Rückkehr schnell auf in der MPLA. Als Angola 1975 unabhängig wird, währt der Frieden nicht lang, die drei größten Rebellengruppen kämpfen nun untereinander um die Macht. Fast drei Jahrzehnte wird der Bürgerkrieg dauern und eine halbe Million Menschenleben kosten. Er dauert auch so lange, weil jede Gruppe Teil des großen Spiels ist, des Kampfes um Macht und Einfluss im Kalten Krieg. Die MPLA wird von Moskau und den sozialistischen Staaten unterstützt (Kuba schickt Tausende Soldaten), der große Widersacher Jonas Savimbi von den USA und Südafrika. Erst mit Savimbis Tod 2002 ist der Weg für Versöhnung offen, dos Santos wird als "Architekt des Friedens" gefeiert, gewährt den alten Feinden Amnestie.

Mit dem Frieden beginnt der Öl-Boom, das Land wird zweitgrößte Produzent des Kontinents, das Bruttosozialprodukt verzehnfacht sich innerhalb weniger Jahre auf 110 Milliarden Dollar, Angola wird unter die sechzig reichsten Länder der Welt katapultiert. Mit dem Staatsbudget könnte dos Santos ein neues, ein gerechteres Land schaffen können. Er denkt aber vor allem an sich und seine Familie.

Sein Sohn José Filomeno übernimmt einen staatlichen Fonds mit fünf Milliarden Dollar. Die Tochter Isabel bekommt Mobilfunklizenzen und die Leitung des staatlichen Ölkonzerns und wird zu reichsten Frau Afrikas. In Europa lässt sie ihre Erfolgsgeschichte feiern, weil sie so anders ist, als man das von Afrika erwartet, eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Spätestens die Luanda Leaks räumen im Jahr 2020 auf mit den Lügenmärchen der Familie dos Santos, mehr als 700 000 geleakte Dokumente belegen, wie die Familie das Land ausplünderte.

José Filomeno wurde in Angola mittlerweile verurteilt, das Vermögen von Isabel gesperrt. "Ich akzeptiere, dass ich Fehler gemacht habe", hat dos Santos selbst in seiner letzten Rede gesagt. Mehr nicht. Er hat kein Geld zurückgezahlt, für nichts die Verantwortung übernommen. Sein Tod setzt eine Tradition afrikanischer Autokraten und Plünderer fort, die ihr eigenes Land und sein Gesundheitssystem herunterwirtschaften. Um dann in einer Luxusklinik in Übersee zu sterben.

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