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Überfall auf Sowjetunion 1941:Merkel nennt Jahrestag Anlass für Scham

NATO summit in Brussels

Scheidet nach der Bundestagswahl 2021 aus dem Amt: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

(Foto: POOL/REUTERS)

Die Kanzlerin erinnert an den Beginn des Vernichtungskrieges Hitler-Deutschlands in Russland, Belarus und der Ukraine vor 80 Jahren - und spannt den Bogen in die Gegenwart.

Von Oliver Das Gupta

Am 22. Juni jährt sich der Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion zum 80. Mal. Schon drei Tage zuvor hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Erinnerung an diese vom NS-Regime "Unternehmen Barbarossa" bezeichnete Ausweitung des Zweiten Weltkrieges in ihrem Video-Podcast thematisiert.

Ein "Anlass für Scham" sei der Jahrestag, sagte die CDU-Politikerin, "Scham über einen schonungslosen Angriffsfeldzug und über das Entsetzliche, was Deutsche den Menschen in den überfallenen Gebieten angetan haben."

Zwei Jahre nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen 1939 habe das NS-Regime am 22. Juni 1941 "ein weiteres fürchterliches Kapitel" begonnen. Schätzungsweise mehr als 20 Millionen Männer, Frauen und Kinder seien in der Folge umgekommen, sagte Merkel und nannte die heutigen Staaten Russland, Belarus und die Ukraine.

"In Demut verneigen wir uns vor den wenigen heute noch lebenden Überlebenden dieses Angriffskriegs", sagte die Kanzlerin. "Und wir sind zutiefst dankbar, dass so viele dieser Menschen uns die Hand zur Versöhnung gereicht haben. Dass sie dazu bereit waren, grenzt an ein Wunder, nach allem, was Deutsche ihnen angetan haben."

Merkel würdigt Gorbatschow

Merkel spannte in ihrem etwas länger als dreiminütigen Statement den Bogen in die jüngere Vergangenheit: Vor allem die Politik des letzten sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow habe den Deutschen 1990 die friedliche Wiedervereinigung ermöglicht sowie eine Entwicklung zivilgesellschaftlicher Verbindungen beider Länder. "Umso mehr schmerzt uns, wie in jüngster Zeit zivilgesellschaftliches Engagement in Russland, aber auch in Belarus, eingeschränkt, ja unmöglich gemacht wird."

Merkel nahm damit direkten Bezug auf die in Belarus und Russland unterdrückten oppositionellen Kräfte: "Wenn friedliche Demonstranten und missliebige Oppositionelle weggesperrt werden, belastet das unsere Beziehungen schwer." Man brauche aber auch weiterhin den Dialog mit Russland, sagte Merkel.

© SZ/dpa/odg
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