Merkel in den USA:Mehr Arbeit als Abschied

Joe Biden, Angela Merkel

Die Partnerschaft zwischen den USA und Deutschland sei "eisern", erklärte US-Präsident Biden vor dem Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel.

(Foto: Evan Vucci/AP)

In Washington dankt Angela Merkel den USA für deren "überragenden Beitrag" zur deutschen Wiedervereinigung. Vor dem Treffen mit Präsident Biden nimmt sie eine Ehrendoktorwürde der Johns Hopkins University entgegen.

Von Christian Zaschke, Washington

"Ich schätze die Freundschaft sehr, ich weiß, was Amerika für die Geschichte eines freien und demokratischen Deutschlands getan hat." Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Beginn ihres Treffens mit US-Präsident Joe Biden am Donnerstag im Oval Office des Weißen Hauses in Washington. Und Biden erklärte seinerseits, dass er Merkel als persönliche Freundin und Freundin der USA sehe. Die Beziehung zwischen den beiden Ländern sei stark und werde stärker, sagte der US-Präsident. Merkel habe viel für diese "andauernde Freundschaft" getan. Und dann: "Wir haben eine volle Tagesordnung vor uns." Die gemeinsame Pressekonferenz der beiden begann nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe.

Auf der in der Tat vollen Tagesordnung stand unter anderem der Klimaschutz - ein Thema, das große Chancen für einen Neuanfang in den Beziehungen zwischen den USA und Deutschland bietet. Bidens Amtsvorgänger Donald Trump hatte den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen beschlossen - Biden machte den Ausstieg nach seinem Amtsantritt rückgängig.

Vor der Abreise hatte Merkel betont, dass ihr Abschiedsbesuch in Washington ein Arbeitsbesuch sei, und das meinte sie ernst. Das Programm für die gut 24 Stunden in der Hauptstadt der USA war dicht gedrängt. Dennoch schob Merkel am Donnerstagmorgen spontan noch einen Termin ein: In der deutschen Botschaft äußerte sie sich zur Hochwasserkrise in Deutschland. Ihre Gedanken seien in diesen Stunden "immer auch in den Menschen in der Heimat", sagte sie: "Ihnen will ich auch von hier aus ein Zeichen der Anteilnahme und der Solidarität schicken."

Am Mittwochabend war sie um kurz nach sieben Uhr Ortszeit gelandet, also kurz nach ein Uhr deutscher Zeit. Vom Flughafen fuhr Merkel in die Botschaft und empfing Journalisten zum Hintergrundgespräch. Sollte sie müde gewesen sein, ließ sie sich das nicht anmerken. Unter anderem sagte sie, dass sie sich auf das Treffen mit Vizepräsidentin Kamala Harris freue.

Der Klimawandel sei nicht weg, "seitdem wir Covid haben", sagte Merkel

Diese Zusammenkunft fand dann gleich am frühen Donnerstagmorgen statt. Zwei der mächtigsten Frauen der Welt schüttelten einander erstmals die Hände. Für den Abend war eine Fortsetzung des Gesprächs vorgesehen, da Harris mit ihrem Ehemann Doug Emhoff an dem Dinner teilnehmen sollte, das Präsident Joe Biden zu Merkels Ehren ausrichtete. Für Merkel stand nach dem Treffen mit Harris eine Ehrung auf dem Programm: Die Johns-Hopkins-Universität verlieh ihr eine Ehrendoktorwürde. Bei der Gelegenheit dankte sie den USA für deren "überragenden Beitrag" zur "Zeitenwende" der deutschen Wiedervereinigung. Und sie lobte die Arbeit der Johns-Hopkins-Universität während der Corona-Pandemie.

Und dann schlug die Kanzlerin den Bogen zu dem Thema, das die Katastrophenbilder von den Überschwemmungen in Deutschland zur selben Zeit mal wieder so schmerzlich in den Fokus der internationalen Aufmerksamkeit holen: Der Klimawandel sei nicht weg, "seitdem wir Covid haben", sagte Merkel. Umso wichtiger sei es, dass die UN-Klimakonferenz in Glasgow im Herbst Fortschritte bringe. Es sei "eine sehr, sehr gute Nachricht, dass die Vereinigten Staaten von Amerika wieder mit dabei sind und auch durchaus ambitionierte Ziele vorgebracht haben", sagte sie. "Das verändert die Welt natürlich vollkommen, weil wieder einer der großen Emittenten jetzt auch mitmacht und weil das natürlich auch andere Länder, auch Europa, auch China, auch andere entwickelte Staaten wie Japan zum Beispiel unter Druck setzt."

Vor zwei Jahren hatte Merkel bereits die Ehrendoktorwürde der Universität Harvard erhalten. Dass Merkel nun von zwei derart bedeutenden US-Unis ausgezeichnet worden ist, führte unter Beobachtern zur Frage, ob sie nach ihrer Amtszeit eine Weile an einer solchen Institution lehren möchte.

Sie selbst sagte nach der Ehrung, sie wolle erst einmal eine Pause einlegen und nachdenken, "was mich so eigentlich interessiert".

Von der Ehrung ging es dann hinüber ins Weiße Haus zu Joe Biden, der ebenfalls gut zu tun hat. Vorrangig ist er beschäftigt, seinen milliardenschweren Infrastrukturplan durch den Kongress zu bringen. Es sieht so aus, als könne das funktionieren. Zudem betrachtet er mit Interesse, wen die Republikaner für den Ausschuss nominieren, der die Vorgänge vom 6. Januar aufarbeiten soll. Damals hatte ein Mob von Trump-Anhängern das Kapitol gestürmt.

© SZ/bac/toz
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