Kanzlerin auf dem SZ-Führungstreffen 2013 Merkel begründet den Mindestlohn

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Auszüge aus Merkels-Rede

Ein gesetzlicher Mindestlohn wird kommen

Kommt die große Koalition, kommt der Mindestlohn. Dieses Signal sendet die Bundeskanzlerin an die SPD. Während die Koalitionsverhandlungen noch laufen, zeigt Merkel in ihrer Eröffnungsrede beim SZ-Wirtschaftskongress Kompromissbereitschaft.

Angela Merkel hat keinen Zweifel daran gelassen: Die SPD will den gesetzlichen, flächendeckenden Mindestlohn und sie bekommt ihn auch. Nebenbei plädiert sie auf dem SZ-Führungstreffen in Berlin indirekt für höhere DSL-Tarife. Geht es nach ihr, sollen wohl die Kunden den Breitbandausbau bezahlen.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Die Kanzlerin muss los. Die Koalitionsverhandlungen gehen an diesem Donnerstag weiter. Die 75-köpfige Runde von Union und SPD trifft sich im Konrad-Adenauer-Haus. Die CDU-Vorsitzende ist also Gastgeberin, da sollte sie nicht zu spät kommen. Doch vorher geht es für sie noch ins Hotel Adlon am Pariser Platz. Sie spricht auf dem Führungstreffen Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung - einer der seltenen öffentlichen Auftritte der Kanzlerin seit der Bundestagwahl.

Mitten in den Koalitionsverhandlungen ist das ein äußerst günstiger und zugleich ein höchst ungünstiger Zeitpunkt, sich öffentlich zu äußern. Günstig, weil sie ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern könnte. Ungünstig, weil zwar seit Wochen verhandelt wird, aber noch nichts endgültig beschlossen ist. Der Koalitionsvertrag soll erst Ende kommender Woche stehen.

Aus dem Nähkästchen plaudert Merkel dann natürlich doch nicht. Das war auch nicht zu erwarten. Erstaunlich ist dagegen, wie schnell sie hier - vor Spitzenmanagern der deutschen und europäischen Wirtschaft - der SPD das größte Geschenk macht. Die Sozialdemokraten werden ihren Mindestlohn bekommen. Und zwar gesetzlich, flächendeckend und in Höhe von 8,50 Euro.

"Beobachten, bestaunen"

Das Wahlergebnis zwinge sie, Dingen zuzustimmen, die jetzt nicht direkt Teil ihres Wahlprogrammes gewesen seien. Dazu gehöre auch der Mindestlohn. Die SPD habe klargemacht, dass es ohne einen solchen Mindestlohn nicht gehe. "Deshalb braucht man da auch gar nicht rumzureden", sagt Merkel.

Politiker hätten nun mal die Pflicht, aus dem Votum der Wähler "etwas Vernünftiges zu machen". Sie erinnert daran, dass sie den Grünen ja Avancen gemacht habe. Die hätten aber dankend abgelehnt. Insofern sei das "alles sehr übersichtlich". Wenn nun jemand finde, dass da jetzt "etwas nicht so Gutes rauskommt, sage ich Ihnen, aus dem Blickwinkel der Wirtschaft könnte in anderen Konstellationen nur noch was Schlechteres rauskommen". Sie setzt noch ein entschiedenes "So!" hinterher. Was ein wenig nach "alternativlos" klingt. Und durchaus richtig ist - aus ihrem Blickwinkel betrachtet. Merkel, die Pragmatikerin.

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SZ-Führungstreffen Wirtschaft

Was Andrea Illy von deutschem Kaffee hält

Man nennt ihn den König des Espresso: Andrea Illy. Kann so einer deutschen Kaffee genießen? Und verzichten die Leute auf Kaffee, wenn es mit der Wirtschaft bergab geht? Wir haben Illy gefragt.

Deutschland zeichne aus, dass die Parteien in hohem Maße miteinander gesprächsfähig seien, findet sie. "Dennoch machen wir es uns nicht einfach. Das können Sie jeden Tag in den Koalitionsverhandlungen bestaunen." Lacher im Saal. "Beobachten, bestaunen." Sie schüttelt dann den Kopf und grinst: "Bestaunen ist mir noch lieber als beobachten."

Eine Einschränkung hat sie aber doch, was den Mindestlohn angeht: "Ich werde alles versuchen zu tun, um den Verlust von Arbeitsplätzen zu vermeiden ", sagt sie. Wie auch immer sie das unter der Maßgabe "flächendeckend und gesetzlich" umsetzen will. Selbst SPD-Leute sagen unter der Hand, dass nicht jeder Zehn-Euro-Friseur überleben kann. Ein Geschäftsmodell, das auf Ausbeutung der Mitarbeiter setze, das sei eben kein Geschäftsmodell. Merkel scheint das an der einen oder anderen Stelle noch anders zu sehen.