Angebliche Wikileaks-Quelle Bradley Manning "Illegal und verfassungswidrig"

Er sitzt in Einzelhaft, muss nackt schlafen und morgens unbekleidet zum Appell erscheinen - die Kritik an den Haftbedingungen von Bradley Manning reißt nicht ab. Nun zweifeln 250 Professoren in einem offenen Brief am Anstand von US-Präsident Obama.

Von Janek Schmidt

Die Kritik ist alt, doch plötzlich hat sie politische Kraft. Schon im Mai 2010 war der US-Soldat Bradley Manning verhaftet worden, da er Papiere an die Veröffentlichungsplattform Wikileaks geschickt haben soll. Seit Juli sitzt er in Einzelhaft und muss Berichten zufolge nachts seine Klamotten ausziehen und morgens nackt zum Appell erscheinen. Seit das US-Militär im März weitere Anschuldigungen gegen Manning erhob, darunter den Vorwurf der "Feindbegünstigung", der zur Todesstrafe führen kann, wächst die Kritik an den US-Behörden und erreicht nun das Weiße Haus.

Immer wieder solidarisieren sich Aktivisten in den USA und dem Rest der Welt mit Bradley Manning, dem US-Soldaten, der Geheimpapiere an Wikileaks weitergegeben haben soll.

(Foto: AFP)

Bereits im März traf ein erster Angriff die Regierung in Washington. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, hielt dem Pentagon damals vor: "Was Bradley Manning angetan wird ist lächerlich, kontraproduktiv und dumm."

Zwar musste Crowley zurücktreten, doch beharrt er auf seiner Kritik und befeuert so eine Kampagne für den Häftling: Seit Tagen steigt Mannings Platzierung bei einer Internet-Umfrage des US-Magazins Time für die Person des Jahres und erreichte bis Montag Platz 28.

Eine Petition der Internet-Gruppe Avaaz zur Verbesserung der Haftbedingungen des 23-Jährigen unterzeichneten seit Freitag 360.000 Menschen. Dort schreibt Avaaz: "Mannings Behandlung scheint Teil einer weitreichenden Einschüchterungskampagne zu sein, mit der Informanten mundtot gemacht werden sollen."

Deutliche Kritik an US-Präsident Obama

Am brisantesten ist jedoch ein Brief, den 250 US-Juristen nun in dem Magazin New York Review of Books veröffentlichten. Darin verurteilen sie die "erniedrigenden und unmenschlichen" Haftbedingungen als illegal, verfassungswidrig und angrenzend an Folter.

Heikel ist der Brief auch, da zu den Unterzeichnern der Harvard-Professor Laurence Tribe gehört. Nicht nur war Tribe bis vor drei Monaten Rechtsberater der Regierung. Er ist auch einstiger Jura-Professor des heutigen Präsidenten Barack Obama. Dieser bezeichnet Mannings Haftbedingungen bislang als angemessen.

Umso härter trifft ihn nun die Kritik seines Mentors, da in dem Brief über Obama steht: "Er war einst Professor für Verfassungsrecht und betrat die nationale Bühne als wortgewandter moralischer Anführer. Jetzt ist die Frage allerdings, ob sein Verhalten als Oberbefehlshaber den grundsätzlichen Anforderungen an Anstand genügt."