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Anfrage aus Bagdad:Nato-Ausbilder sollen Irakern im Kampf gegen IS helfen

Ein irakischer Soldat überwacht den Luftraum in der Nähe von Bagdad.

(Foto: AP)
  • Im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" will der Irak die Nato um Hilfe bitten. Das westliche Militärbündnis soll das Land bei der Ausbildung von Truppen unterstützen.
  • Die von den USA geführte Koalition meldet erste Erfolge gegen den IS. Der Vormarsch der Miliz in Syrien und im Irak sei gestoppt.
  • US-Außenminister John Kerry prognostiziert einen jahrelangen Krieg gegen die Dschihadisten.

Nato-Rat prüft irakische Bitte um Unterstützung

Die irakische Regierung will die Nato um Hilfe für den Kampf gegen die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bitten. Ministerpräsident Haider al-Abadi habe angekündigt, dass sein Land eine Anfrage zur Unterstützung bei der Ausbildung von Truppen stellen werde, teilte eine Sprecherin des Bündnisses in Brüssel mit. Die Bitte werde vom Nato-Rat geprüft. Unklar ist, ob das Training irakischer Soldaten im Irak oder im Ausland stattfinden soll.

Anti-IS-Koalition meldet Erfolge

Die von den USA geführte Koalition betonte bei ihrem Treffen im Nato-Hauptquartier in Brüssel, dass es erste Erfolge im Vorgehen gegen den IS gebe. Der Vormarsch der Miliz in Syrien und dem Irak sei gestoppt worden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Minister aus 60 Staaten, die sich zum Vorgehen gegen den IS verpflichtet haben. "Truppen des Irak und der kurdischen Regionalregierung gewinnen nun mit Unterstützung von Luftangriffen der Koalition Gebiete zurück." US-Außenminister John Kerry betonte allerdings, dass der Kampf gegen die Extremistengruppe Jahre dauern könnte.

Die Koalition habe etwa 1000 Luftangriffe gegen IS-Stellungen geflogen und damit die Führung sowie die Fähigkeiten der Gruppe geschwächt. Während irakische und kurdische Verbände bereits Widerstand gegen den IS leisteten, kämen nun auch sunnitische Einheiten zu Hilfe. Die Minister einigten darauf, den Einsatz gegen den IS zu unterstützen sowie Kämpfer in der Region gegen die Extremisten auszubilden.

Der Zustrom von IS-Anhängern aus dem Ausland müsse gestoppt und die Geldquellen der Organisation ausgetrocknet werden. Zudem solle humanitäre Hilfe für die IS-Opfer geleistet werden. Ziel des Brüsseler Treffens war es, den militärischen Kampf zu koordinieren und eine gemeinsame Strategie zu finden, um den sunnitischen Extremisten auch politisch das Wasser abzugraben.

Deutschland plant weitere Unterstützung der Kämpfer

Die Bundesregierung will ihre Unterstützung für die Kämpfer gegen den IS ausweiten. Derzeit werde ermittelt, wie Deutschland kurdische Peschmerga-Kämpfer im Norden des Irak mit Ausbildung und Training unterstützen könne, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Brüssel. Wahrscheinlich sei eine Zusammenarbeit mit anderen europäischen Staaten. Steinmeier äußerte die Erwartung, dass Deutschland "noch vor Weihnachten" Entscheidungen dazu treffen werde. Der Spiegel hatte am Wochenende berichtet, Deutschland plane zusammen mit Italien, den Niederlanden und skandinavischen Ländern, in Erbil eines von vier Trainingszentren im Nordirak zu eröffnen. Bis zu hundert Bundeswehrsoldaten könnten dem Bericht zufolge dort kurdische Kämpfer ausbilden.

Islamische Geistliche verurteilen den IS

Der oberste Geistliche der islamischen Al-Ashar-Universität hat die "Barbarei" des IS im Irak und Syrien scharf verurteilt. Die Miliz begehe "barbarische Verbrechen unter dem Mantel dieser heiligen Religion und unter dem Namen 'Islamischer Staat' beim Versuch, ihren falschen Islam zu exportieren", sagte Scheich Ahmed al-Tajeb bei der Eröffnung einer internationalen Konferenz in Kairo.

Dort waren islamische Geistliche aus etwa 20 Ländern versammelt, darunter Saudi-Arabien, Iran und Marokko. Die Al-Ashar-Universität ist eine der höchsten Autoritäten des sunnitischen Islam. Al-Tajeb sagte, er rätsele "Tag und Nacht über die Gründe dieser blinden Spaltung". Er warf dem Westen eine Mitverantwortung vor und verwies auf die US-geführte bewaffnete Invasion 2003 im Irak. Diese habe das Land "an rivalisierende Milizen ausgeliefert". Die Folge seien Massaker gewesen.

Scheich Tajib rief die US-geführte Koalition auf, auch die Länder zu bekämpfen, die den "Terrorismus finanziell und militärisch" unterstützten. Insbesondere Katar und Saudi-Arabien sehen sich Vorwürfen ausgesetzt, im Irak und in Syrien radikale sunnitische Rebellengruppen zu unterstützen. Unter dem Druck der USA schlossen sie sich aber inzwischen deren Vorgehen gegen die IS-Dschihadisten an. Bereits in den vergangenen Monaten hatten führende islamische Geistliche wiederholt die Verbrechen der IS-Miliz verurteilt und deren Anspruch bestritten, im Namen des Islam zu handeln.