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Wahl in Frankreich:Macrons Gegnerinnen: Le Pen - und die eigene Überheblichkeit

  • Viele Franzosen sind erleichtert, dass der Sozialliberale Emmanuel Macron bei der ersten Runde der Präsidentschaft die meisten Stimmen bekommen hat.
  • Umfragen sagen für die Stichwahl einen deutlichen Sieg Macrons gegenüber Marine Le Pen voraus.
  • Doch er hat die Wahl noch nicht gewonnen - und bereits am Wahlabend einen Fehler gemacht.

Am Tag nach der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl ist die Erleichterung mit Händen zu greifen. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen ist zwar in der Stichwahl, hat aber nicht die meisten Stimmen bekommen. Und ihr Gegner heißt Emmanuel Macron. Der junge, gutaussehende Pro-Europäer mit den sozialdemokratischen Einstellungen hat vor allem in Deutschland viele Fans.

Umfragen vom Sonntag sagen für die Stichwahl am 7. Mai einen Sieg Macrons mit 62 Prozent voraus. Trotzdem: Macron hat die Wahl noch nicht gewonnen. Zwei Wochen sind eine lange Zeit. Und der richtige Wahlkampf fängt jetzt erst an. Noch dazu hat Macron schon am ersten Abend einen Fehler gemacht. Er feierte seinen Finaleinzug - er liegt gerade einmal zweieinhalb Prozentpunkte vor Le Pen - als hätte er das Rennen schon gewonnen. Das mag menschlich verständlich sein, bietet seinen Kritikern aber unnötige Angriffsfläche.

"Er ist viel zu zuversichtlich und wahnsinnig arrogant", nahm Florian Philippot, der stellvertretende Vorsitzende des Front National, die Angelegenheit gerne auf. "Er tut so, als würden die Franzosen gar nichts zählen, als hätten Umfragen und Werbeagenturen die Arbeit schon getan." Zur Erinnerung: Marine Le Pen verbrachte den Sonntagabend im nordfranzösischen Städtchen Hénin-Beaumont, in der Provinz, die üblicherweise im politischen Betrieb des Landes wenig zählt. Also symbolisch: nah am Wähler.

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Macron hingegen beging seinen Wahlsieg in Paris, dem Zentrum des politischen Establishment Frankreichs. Er feierte zwar nur in einem Künstlercafé im Viertel Montparnasse. Trotzdem mag die Veranstaltung auch bei vielen gemäßigteren Franzosen Erinnerungen an den Bling-Bling-Präsidenten Nicolas Sarkozy wecken, der sich 2007 im Luxusrestaurant Fouquet's auf den Champs-Élysées hochleben ließ.

Der Quereinsteiger Macron tritt als Erneuerer des Politikbetriebs auf, allerdings entstammt er genau dem Milieu, das üblicherweise Spitzenpolitiker und Wirtschaftsbosse stellt. Seine Eltern sind Ärzte, er hat eine Elite-Universität besucht und vor seiner Karriere in der Politik schon Millionen als Investmentbanker gemacht. Das sind in den Augen vieler Franzosen dieser Tage sehr viele Minuspunkte.

Marine Le Pen hingegen hat auf einer gewöhnlichen Universität Jura studiert und sie ist ein politischer Vollprofi. Sie weiß um das Gewicht symbolischer Handlungen und wird sich hüten, in den kommenden Tagen ähnliche Fehler zu machen.

Macron kann nicht auf den Schock-Effekt setzen

Um die Stichwahl zu gewinnen, müssen die Kandidaten möglichst viele Wahlempfehlungen gescheiterter Kandidaten auf sich vereinen. Am Sonntagabend haben schon der bürgerlich-konservative François Fillon (19,9 Prozent) und der Sozialist Benoît Hamon (6,3 Prozent) dazu aufgerufen, für Macron zu stimmen, an diesem Montag wird aller Voraussicht nach der scheidende Präsident François Hollande folgen.

Doch der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon, der mit 19,6 Prozent fast ein Fünftel aller Stimmen erhielt, hat keine Empfehlung ausgesprochen. Offenbar mag der Europakritiker seinen Anhängern den Pro-Europäer Macron nicht ans Herz legen.

Wie deutlich die Stichwahl ausgeht, wird auch eine Frage der Wahlbeteiligung sein. Als Jean-Marie Le Pens Vater 2002 überraschend in die Stichwahl kam, hat das ganz Frankreich erschüttert. Selbst eingefleischte Linke wählten und warben für Le Pens Konkurrenten Jacques Chirac. Mehr als 80 Prozent der Stimmberechtigten gingen zur Wahl, Chirac gewann mit 82 Prozent.

Auf diesen Schock-Effekt kann Macron nicht setzten. Zu sehr scheinen die Franzosen schon daran gewöhnt zu sein, dass der Front National immer wieder gute Ergebnisse erzielt. Macron muss die Franzosen in den kommenden zwei Wochen noch einmal kräftig wachrütteln. Vermutlich reicht es schon, wenn er sich und den Wählern klarmacht, dass die Wahl noch nicht gelaufen ist.

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