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US-Raketenabwehr:Sicherheitsstrategisches Problem

Neben der technischen Herausforderung sind die Raketenabwehrsysteme ein sicherheitsstrategisches Problem. "Die USA sagen explizit, dass die Systeme vor Raketen aus Iran oder Nordkorea schützen sollen und nicht gegen Russland oder China eingesetzt werden", sagt Oliver Meier von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. "Für diese Länder stellt aber unter anderem das Radar der Abwehrsysteme ein großes Problem dar."

So können die Amerikaner von Südkorea aus mit dem seit Kurzem dort stationierten THAAD China bis weit ins Landesinnere überwachen. Die USA sind nun in der Lage, chinesische Raketenstarts frühzeitig festzustellen. Das erhöht die Abfangwahrscheinlichkeit erheblich.

"Es geht bei der Kritik aber nicht nur um ein bestimmtes System, sondern um den Verbund von Systemen, von denen sich etwa die Russen eingekreist fühlen", so Meier. Zu GMD und THAAD kommen auch noch die Aegis-Raketenabwehrsysteme, die auf Kriegsschiffen der USA, aber zum Beispiel auch der Japaner installiert sind. Ein solches System hat die Nato auch schon in Rumänien stationiert, ein weiteres soll in Polen aufgestellt werden.

"Sowohl China als auch Russland sehen sich deshalb in ihrer Zweitschlagsfähigkeit bedroht", sagt Meier. Auf die Versicherung der USA, die Maßnahmen würden sich nicht gegen sie richten, wollen sich beide Länder nicht verlassen. Und zu entsprechenden rechtsverbindlichen Zusagen waren die USA bislang nie bereit.

Neuer Rüstungswettlauf

Russland arbeitet bereits an der Entwicklung neuer Interkontinentalraketen, die etwa die USA dank größerer Reichweite über den Südpol ansteuern können - und so die Radaranlagen der amerikanischen Abwehrsysteme umgehen. Ein weiteres Ziel sind individuell steuerbare Sprengköpfe. Und China, das lange Zeit auf atomare Mehrfachsprengköpfe verzichtete, arbeitet nun an deren Entwicklung. Denn je mehr Sprengköpfe sich von der Trägerrakete lösen, desto schwieriger wird es für die Abwehr, alle Ziele zu zerstören.

Es hat demnach bereits ein neuer Rüstungswettlauf zwischen den Atommächten begonnen. Und auch Nordkorea kennt die Schwächen der Abwehrsysteme. Das Land hat bereits Tests mit vier Raketen zugleich unternommen. "Das ist ein klares Signal in Richtung USA: Wir können eure Abwehrsysteme überwinden", sagt Meier.

Er hält den strategischen Wert der Raketenabwehrsysteme grundsätzlich für zweifelhaft, denn sie könnten nicht garantieren, dass keine Raketen durchkommen. "Ich bin skeptisch, ob man sich in Krisensituationen darauf verlassen wird, dass sie schützen", sagt Meier. In den USA aber werden die Systeme trotz aller Probleme und Bedenken nicht in Frage gestellt.

Sorge bereitet Meier die Vorstellung, dass die USA ihre Raketenabwehr auch schon bei zukünftigen Tests der Nordkoreaner einsetzen könnten. In Militärkreisen in den USA werden solche Szenarien bereits diskutiert. "Das wäre brandgefährlich, denn wir müssen damit rechnen, dass Kim Jong-un auf eine solche Aktion mit einer weiteren Eskalation reagieren würde."

Raketentechniker Schmucker sieht die Amerikaner dagegen auf dem richtigen Weg. "Nordkorea hat nur eine Chance", sagt er. Die Gelegenheit zu einem zweiten Angriff wird das Regime in Pjöngjang nicht bekommen. Also müsste beim ersten Angriff alles klappen, um das US-Militär so weit wie möglich zu schwächen. "Auch wenn die Raketenabwehr nicht zuverlässig funktioniert: Der Angreifer kann sich nicht darauf verlassen, dass es nicht geht."

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