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CDU in Mecklenburg-Vorpommern:Ersatzmann für Amthor

Pk Michael Sack

Nominiert für den CDU-Landesvorsitz im Nordosten: Michael Sack

(Foto: dpa)

Nach dem Rückzug des Bundestagsabgeordneten als Kandidat für den Landesvorsitz, wird die Nordost-CDU den kommenden Wahlkampf womöglich mit einem Kommunalpolitiker an der Spitze bestreiten.

Nach dem Verzicht des Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor auf die soll mit Michael Sack ein ausgewiesener Kommunalpolitiker die Führung der CDU in Mecklenburg-Vorpommern übernehmen. "Es kann nicht schaden, wenn jemand an die Parteispitze tritt, der die Probleme der Menschen aus seiner alltäglichen Arbeit kennt und mit Pragmatismus versucht, sie zu lösen", sagte der kommissarische Landesparteichef Eckhardt Rehberg bei der Vorstellung Sacks in Schwerin.

Sack selbst bezeichnete die Nominierung als eine Ehre. Er wolle sich der neuen Aufgabe mit aller Konsequenz stellen, sagte er.

Der 47-jährige Landrat des Kreises Vorpommern-Greifswald soll schon zu Beginn des Jahres als möglicher Nachfolger von Landesparteichef Vincent Kokert im Gespräch gewesen sein. Der hatte Ende Januar mit einem überraschenden Rücktritt die Führungskrise in der Nordost-CDU ausgelöst. Amthor, der zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im nächsten Jahr auch die Spitzenkandidatur anstrebte, galt jedoch als der Kandidat mit den besseren Aussichten.

Amthor unterstützt die Kandidatur

Während Amthor zuletzt vor allem im Bundestag und Talkshows Erfolge feierte, sammelte Michael Sack Erfahrungen in der Kommunalpolitik. Er war Bürgermeister in der Kleinstadt Loitz, 2018 gewann er die Landratswahl in der Stichwahl mit 79,5 Prozent. Nun soll er also an die Spitze der Landes-CDU treten, die in den vergangen Jahren stark an Zustimmung in der Bevölkerung verloren hat.

Der kommissarische Landesparteichef Eckhardt Rehberg hatte nach eigenen Worten den Kandidatenwechsel am Freitag erst unmittelbar vor der Sitzung des Landesvorstandes mit einem Anruf angebahnt. Die nach wie vor schwelenden Lobbyismus-Vorwürfe gegen Amthor hätten bei dessen weiterer Kandidatur für den Landesvorsitz der CDU in Land und Bund schwierige Diskussionen beschert, sagte Rehberg zur Begründung. Amthor selbst unterstützt die Kandidatur seines Ersatzmannes.

Der CDU-Politiker war wegen seiner Nebentätigkeit und Lobbyarbeit für ein amerikanisches IT-Unternehmen und der Annahme von Aktienoptionen massiv in die Kritik geraten und hatte daraufhin seine Bewerbung zurückgezogen.

Zuspruch erhielt Amthor von Tilman Kuban, dem Vorsitzenden der Jungen Union (JU). "Ich finde es menschlich sehr schwierig, wie zum Teil mit Philipp Amthor umgegangen wird", sagte Kuban dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Er habe Amthor immer als aufrichtigen und fachkundigen Politiker erlebt. Auf die Frage, ob Amthor Schatzmeister der JU bleiben könne, sagte Kuban: "Wir warten jetzt erst einmal die Untersuchung ab, und ich halte nichts von Vorverurteilungen."

© dpa/odg/anri
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