Amoklauf von Newtown:Die Idee vom politische Kompromiss ist verloren gegangen

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Sie ist besonders zu hören im politischen Umgangston: Der war immer rau in den USA, gemessen an den Verhältnissen im konsensverliebten Deutschland. Aber Amerika hat in den letzten Jahren noch einmal eine ideologische Verschärfung erlebt. Die Idee vom politischen Kompromiss ist weitgehend verloren gegangen.

Im Streit um das richtige Maß an Steuern, bei der Einwanderungspolitik, bei den Themen Umwelt und Energieförderung, in der Auseinandersetzung über die Rolle des Staates gegenüber dem Einzelnen (etwa bei der Gesundheitsreform oder bei der Homo-Ehe) - stets blitzt eine Aggression auf, die im politischen Wettbewerb keinen Platz für die Mitte lässt.

Diese Radikalität hat die Gesellschaft weit nach rechts getrieben, in einen individuell-libertären Konservativismus, der auf die Gemeinschaft wenig Rücksicht nimmt und den Einzelnen sein Heil für sich suchen lässt. Das ist die politische Großwetterlage. Es ist kein Widerspruch, dass die Gemeinschaft im Kleinen, in der Gemeinde, auf dem Dorf, funktionieren kann. Die politischen Lager haben sich in ihren Wagenburgen verschanzt - dort sorgen sie füreinander.

Der Massenmord von Newtown hat nun gezeigt, dass auch dieser Hort der Sicherheit zerstört ist. Unschuld gibt es nicht mehr - nicht mal bei 6-jährigen Buben und Mädchen.

Amerika hat den Handel mit Waffen akzeptiert

Ob Amerika bereit ist, diesen Angriff auf seine letzte Bastion der Geborgenheit hinzunehmen? Das Land hat akzeptiert, dass Sturmgewehre und Schnellfeuerwaffen mit Endlosmagazinen legal und illegal gehandelt werden wie Güter des täglichen Bedarfs.

In Bundesstaat um Bundesstaat dürfen die Waffen nun auch verdeckt getragen werden - also heimlich und an jedem Ort. In Newtown führte die Waffenlobby einen Streit mit der örtlichen Polizei um illegale Schießanlagen. Die Radikalisierung hallte geradezu durch die Wälder.

Wer die jüngeren Ursachen dieses Trends sucht, der wird auf zwei Daten stoßen: Auf den 12. Dezember 2000, an dem das Verfassungsgericht den Rechtsstreit zwischen George W. Bush und Al Gore und damit die Präsidentschaft entschied - was Amerikas Linke radikalisierte; und auf den 11. September 2001, der Amerika das vielleicht größte Trauma nach dem Bürgerkrieg bescherte - und das konservative Lager in die Extreme trieb.

Der 11. September hat die Kriegsgeräte in die Wohnzimmer gebracht. Und er lehrt bis heute: Wenn man dem Druck nicht mit absoluter Entschlossenheit entgegentritt, dann stoppt man auch nicht die Radikalisierung in den Köpfen.

Nach Newtown gibt es für Präsident Obama keine Ausflüchte mehr, den Waffenwahnsinn nicht zu bekämpfen. 20 tote Grundschulkinder und sechs tote Lehrer sollten als Motiv für eine harte politische Auseinandersetzung ausreichen. Bei der geht es nicht um Waffengesetze, sondern um die Zivilität der Gesellschaft.

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