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Contra:Macron tut gut daran, sich in Brasilien einzumischen

Brasiliens Präsident wirft dem französischen Amtskollegen nach einem Tweet zu den Waldbränden eine Kolonialherren-Attitüde vor. Das Gegenteil ist der Fall: Macron handelt hier im Interesse der ganzen Welt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will die Feuer im Amazonasgebiet beim G-7-Gipfel ansprechen, Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hält die Feuer für eine innere Angelegenheit - und wirft Macron eine "kolonialistische Denkweise" vor. Verdient Macron den Vorwurf, weil er sich falsch verhalten hat? Ja, findet Benedikt Peters. Nein, findet Stefan Ulrich. Die beiden SZ-Redakteure begründen ihre Meinung in diesem Pro und Contra.

Emmanuel Macron hat etliche Tugenden. Taktgefühl und Umsicht gehören nicht unbedingt dazu. So wirken die Auftritte des französischen Präsidenten bisweilen überheblich. Und manchmal will der hochbegabte junge Staatschef einfach zu viel zu schnell.

Nun schimpft sein brasilianischer Kollege Jair Bolsonaro, der Franzose mische sich in die inneren Angelegenheiten Brasiliens ein und verfalle in Kolonialherren-Attitüde. Doch diese Kritik ist falsch. Das Einzige, was man Macron hier vorwerfen muss, ist, dass er in einem Tweet zu den Waldbränden im Amazonas-Gebiet kein aktuelles, sondern ein altes Foto verwendete. Da hätten er oder seine Medienleute sorgfältiger arbeiten müssen. Im Vergleich zu dem Problem, um das es geht - eine Lunge der Erde steht in Flammen -, ist das jedoch eher eine Petitesse.

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Eine Einmischung von außen verbittet sich Brasiliens Präsident aber. Seinem französischen Amtskollegen Macron wirft Bolsonaro "kolonialistische Denkweisen" vor.

Wenn ein Mann in einem Dorf mutwillig sein Grundstück anzündet oder einen zufällig ausgebrochenen Brand nicht löscht, dann ist das nicht seine Privatsache. Denn er gefährdet den ganzen Ort. Die Nachbarn haben das Recht, sich einzumischen und dafür zu sorgen, dass das Feuer bekämpft wird.

Die globalisierte, immer rascher zusammenwachsende Welt von heute ähnelt in manchem so einem Dorf. Dinge, die in einem Land geschehen, gehen die Nachbarstaaten oder sogar die ganze Menschheit etwas an. Das schränkt die nationale Souveränität der einzelnen Staaten ein. Dies gilt etwa für Bürgerkriege, die riesige Flüchtlingsbewegungen auslösen. Es gilt für eine ruinöse Wirtschafts- und Finanzpolitik eines Staates, die eine globale Krise bewirken kann. Und es gilt für Verfehlungen, die das gesamte System Erde in Mitleidenschaft ziehen können. Das meint Macron, wenn er in Bezug auf den brennenden Amazonas-Regenwald schreibt: "Unser Haus brennt."

Das Weltklima ist in einem prekären Zustand. Und im Amazonasbecken, das für den Schutz dieses Klimas so wichtig ist, wird Raubbau betrieben, nicht erst seit Bolsonaro. Der rechtsradikale Präsident zeigt jedoch in seiner Wirtschaftspolitik und im Umgang mit den Waldbränden, dass ihm der Regenwald ziemlich schnuppe ist. Und er gesteht offen ein, Brasilien sei nicht in der Lage, die Brände zu löschen. Diese Nonchalance und dieses Versagen wirken sich auf das Klima der ganzen Welt aus. Daher muss sich die Welt einmischen. Und Macron tut gut daran, die Amazonasfeuer zum Thema des G-7-Gipfels in Biarritz zu machen, bei dem es um Weltprobleme geht.

Kolonialistische Attitüde? Das ist ein beliebtes Killerargument von Regierungen, um Kritik abzuschmettern. Nur: Die Kolonialisten handelten in aller Regel im eigenen Interesse und beuteten die Kolonialisierten übel aus. Macron aber handelt hier im Interesse der ganzen Welt. Und diese Welt darf Brasilien natürlich nicht mit der Last alleinlassen, den Amazonas-Regenwald für die Menschheit zu erhalten.

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