Altkanzlergattin will in den Landtag:Doris Schröder-Köpf drängt in die Politik

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Sie ist die Frau an Gerhard Schröders Seite. Jetzt will Doris Schröder-Köpf in Niedersachsen selbst Polit-Karriere machen. Die 48 Jahre alte Ehefrau des Altkanzlers bewirbt sich in Hannover um ein SPD-Landtagsmandat. Dabei meidet die ehemalige Journalistin bislang die Öffentlichkeit. Aus gutem Grund, heißt es in der Partei.

Oliver Das Gupta

"Doris hat gesagt" - so leitete Gerhard Schröder während seiner Kanzlerschaft gerne Sätze ein und vermutlich tut er das heute noch. Seine Ehefrau Doris Schröder-Köpf, das gab der Regierungschef einst zu, habe Einfluss auf ihn. Auch in politischen Dingen. "Ich hol mir gern 'nen Rat", sagte Schröder 2002. Leider höre er nicht immer drauf, entgegnete seine Frau.

Doris Schröder-Köpf will in Landtag SPD Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder

Bislang einfaches SPD-Mitglied, ab 2013 womöglich Parlamentarierin: Doris Schröder-Köpf, hier mit ihrem Ehemann, dem Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder

(Foto: dpa)

Nun könnten sich die Rollen vertauschen, denn Doris Schröder-Köpf strebt in die aktive Politik. Sie will bei der Landtagswahl 2013 in Niedersachsen kandidieren, wie der hannoversche SPD-Bezirkschef Stefan Schostok auf Anfrage von Süddeutsche.de bestätigte. Die 48-Jährige wolle sich als Kandidatin für einen Wahlkreis in Hannover um ein Mandat bewerben.

Gesichert ist der Start ihrer Polit-Karriere nicht: "Sie befindet sich im internen Auswahlverfahren", sagt Schostok, der auch die SPD-Landtagsfraktion führt. Die gebürtige Bayerin Schröder-Köpf muss sich gegen die Landtagsabgeordnete Sigrid Leuschner durchsetzen, die seit 1994 für die SPD im Landtag sitzt. Einem Bericht der Oldenburger Nordwest-Zeitung zufolge begannen die Kandidatinnen bereits, sich in den Ortsverbänden vorzustellen.

In Niedersachsen wird am 20. Januar 2013 ein neues Parlament gewählt. Dann möchte die SPD zurück an die Macht, die sie 2003 der CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Christian Wulff überlassen musste. Dass der heutige Bundespräsident trotz seiner Affären im Amt bleiben will, könnte die Landes-CDU im Wahlkampf belasten, hofft man in der Landtagsopposition. Eine bundesweit bekannte Altkanzlergattin könnte dem SPD-Wahlkampf zusätzlichen Glanz verleihen.

Ein Hauch Clinton

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Frau eines Politikers nach dessen Karriereende durchstartet. Prominentes Beispiel ist Hillary Clinton, die das Leben an der Seite ihres Gatten, US-Präsident Bill Clinton, nutzte, um sich politisch zu profilieren. Nun ist sie amerikanische Außenministerin.

Eine ähnliche Karriere für Schröder-Köpf mag unwahrscheinlich sein, allerdings gibt es Parallelen, zumindest hinsichtlich der Ausgangssituation: Ambitionen, sich aktiv in die Politik einzubringen, waren bei der blonden Ex-Journalistin schon erkennbar, als "der Gerd" in Bonn und Berlin Regierungschef war. Schröder-Köpf, die den SPD-Politiker 1997 geheiratet hatte, hob sich schon früh von den anderen Kanzlergattinnen ab. Die übernahmen zwar Schirmherrschaften und schüttelten die Hände vieler Bürger, aber ansonsten blieben sie eher im Hintergrund.

Anders Doris Schröder-Köpf: Sie coachte ihren Mann, knüpfte Kontakte zu Medien, regte Themen an, machte Termine. Wenig verwunderlich, dass ihr Schreibtisch im Kanzleramt stand - im Interview-Raum Schröders.

Nach dem Ende der Kanzlerschaft 2005 zogen die Schröders nach Hannover. Vor einem Jahr dann offenbarte Schröder-Köpf eigene Ambitionen: Sie zog in den Aufsichtsrat von Karstadt ein.

Geräuscharme Vor-Auswahl

Der Altkanzler äußert sich bislang nicht zur Polit-Karriere seiner Frau. Sein Büro verweist auf SZ-Anfrage an die Genossen in Niedersachsen. Auch von Doris Schröder-Köpf gibt es derzeit keine Stellungnahme in eigener Sache: "Sie möchte sich momentan nicht öffentlich äußern", sagt ihr Parteifreund Schostok. Er findet, es gebe einen guten Grund dafür: Sie halte sich zurück, "aus Respekt vor der Parteibasis". Die möge - frühestens im März - in Ruhe entscheiden, welche Genossin antreten soll.

Frei übersetzt: Schröder-Köpf setzt darauf, sich die Wahlkreiskandidatur geräuscharm zu sichern. Ein Scheitern wäre dann besser zu verkraften. Klappt es hingegen mit dem Karriere-Start, dürfte Medienprofi Schröder-Köpf ihre weiteren Schritte schon genau geplant haben.

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