Zum Tod des Altkanzlers Korrespondierten seine Freunde mit ihm? Oder nur mit Maike?

Maike Kohl-Richter. Stiefsohn Peter hatte 2004 einmal Gelegenheit, die Wohnung der neuen Partnerin seines Vaters zu sehen. Es muss ihn wie einen Schlag getroffen haben.

"Ich war in eine Art privates Helmut-Kohl-Museum geraten! Wo man auch hinschaute, hingen oder standen Helmut-Kohl-Fotografien. Es gab gemeinsame Bilder, Bilder mit anderen Menschen, Bilder mit Widmungen, Wahlkampf-Memorabilia, einen unter Glas und Passepartout gerahmten Brief mit seiner Unterschrift und sonstige Helmut-Kohl-Artefakte. Das Ganze sah nach jahrzehntelanger, akribischer Sammelleidenschaft zum Zwecke der Heldenverehrung aus, wie man es vielleicht auch von Berichten über Stalker kennt." So beschrieb es Peter Kohl in einer Biografie über seine Mutter Hannelore Kohl.

Der Mann, der die Einheit brachte

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Was andere abschrecken würde, Kohl dürfte es genossen haben. Bedingungslose Verehrung, das kannte er bis dahin nicht. Kohl hat polarisiert. Er hatte keine Gegner, er hatte Feinde. Über die Jahre brachte er selbst langjährige Weggefährten gegen sich auf. Das Verhältnis von Kohl zu Wolfgang Schäuble oder Heiner Geißler in den vergangenen Jahren beschreiben manche nur mit einem Wort: Hass. Am Ende brach sogar die CDU mit ihm, weil er die Namen der Schwarzgeld-Spender nicht nennen wollte. Er musste 2001 den Ehrenvorsitz der Partei aufgeben.

Und dann ist da diese Frau, die sich in ihrem Leben kaum etwas sehnlicher zu wünschen schien, als diesem Mann nahe zu sein. Im Jahr 2008 teilte Kohl seinen Söhnen per Telegramm mit, dass er noch einmal Hochzeit gefeiert habe. "Heidelberg 8. Mai. Wir haben geheiratet. Wir sind sehr glücklich. Maike Kohl-Richter und Helmut Kohl." Mehr sollten sie von ihm persönlich nicht erfahren.

Von der Frau zur Pflegerin

Als sie ihn dann hatte, als sie den Ehering trug, den er ihr an den Finger gesteckt hatte, als sie mit ihm im Bungalow wohnte, da wollte sie ihn nicht mehr hergeben, wollte ihn ganz für sich allein.

Sie warf Kohls treueste Begleiter aus dem neuen, gemeinsamen Leben. Eckhard "Ecki" Seeber etwa, mehr Freund und persönlicher Helfer als nur sein Fahrer. Oder den Fotografen Konrad R. Müller, der Kohl über Jahrzehnte zu Hause und auf Reisen ablichten durfte. Es waren bisherige Vertrauenspersonen, die nun keinen Zugang mehr haben sollten.

Andererseits sagte Kohl einmal einem der wenigen verbliebenen Vertrauten über seine neue Frau: "Ohne die gäb' es mich nicht mehr."

Sie versorgte ihn, nachdem er im Februar 2008 schwer gestürzt war. Eine Hirnquetschung war die Folge. Seitdem saß er im Rollstuhl, das Sprachzentrum war gestört. Sie wurde ihm die engste Begleiterin. Sie schützte ihn davor, vereinnahmt zu werden von denen, die in Kohl nur noch eine Trophäe sahen, eine Ikone seiner Zeit.

Kohl war seit Beginn seiner politischen Karriere praktisch kein Privatmensch mehr. Jetzt aber war er auf Privatheit angewiesen. Ein Privatheit, die zum Schluss auch seine Söhne ausschloss.

Maike musste dafür die Rolle wechseln. Von der Frau zur Pflegerin. Dafür hatte sie sich von ihrem Job als Referatsleiterin im Wirtschaftsministerium beurlauben lassen. Seltene Besucher berichten, wie sie Kohl liebevoll umsorgte, wie sie aber auch nach und nach versuchte, die Deutungshoheit über sein Leben zu gewinnen, das jetzt ein Teil ihres Lebens war. Kaum einer wusste noch so recht, ob Briefe ihn überhaupt noch erreichten, ob er es war, mit dem sie korrespondierten. Oder doch nur mit Maike.

Helmut Kohl wäre hilflos gewesen ohne sie. Er starb an ihrer Seite. Maike Kohl-Richter ist jetzt Kohls Witwe. In ihrem Leben beginnt sie ein neues Kapitel.