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Altkanzler auf Frankfurter Buchmesse:"Beim Honorar gab es dann doch große Unterschiede"

Schwan lässt Kritik an seinem Verhalten so nicht stehen. Er habe großen Respekt vor der Lebensleistung Kohls, sagt er und beteuert, "keinen Vertrag gebrochen zu haben". Es habe einen Vertrag zwischen Schwan und dem Droemer-Verlag gegeben und einen fast identischen Vertrag zwischen Kohl und Droemer. "Beim Honorar gab es dann doch große Unterschiede", sagt Schwan und lächelt.

"Es gab keinen Vertrag zwischen Herrn Kohl und Herrn Schwan", sekundiert der Heyne-Justiziar. Dann liegt eine Kopie der Droemer-Verträge auf den Tisch. Daraus geht unter anderem hervor, dass der Altkanzler Schwan "kostenlos mindestens 200 Stunden" für Gespräche zur Verfügung stehen soll. "Die Einzelheit der Zusammenarbeit zwischen Herrn Dr. Schwan und dem Autor (Kohl, Anm. d. Red.) werden diese direkt besprechen." Eine Vertraulichkeitsvereinbarung, eine schriftliche Schweigeklausel scheint zu fehlen. Das könnte erklären, warum Kohl das Erscheinen des Buches bislang nicht verhindert hat.

Ob Schwan auf der Buchmesse ein Stockwerk höher geht, um Kohl zu sehen? Der Autor winkt ab. Das Buch kenne er ja ohnehin schon, sagt Schwan. "Was Kohl heute vorstellt, stammt aus meiner Feder."

Kohl wird immer unverständlicher

Selbe Halle, eine Stunde später: Der Droemer-Verlagsleiter beendet sein Grußwort, nun wird Kohl ein Mikrofon hingehalten. Kohl strengt sich an, manche Worte gelingen ihm, viele andere stürzen ihm in der zweiten Silbe ab. "Unser Verleger hat zu meinem ersten Buch gesprochen, und ich kann nur sagen, ich hoffe, es werden viele dieses Buch lesen, denn es enthält die Wahrheit. Wie es wirklich war." Manchmal klingt er wie früher, wie der Kanzler aus der Pfalz, aber es wird immer unverständlicher. "Wenn die Deutschen ... Europas Zukunft ... leisten und können ..." Ein Sicherheitsmann verzieht das Gesicht, eine Zuschauerin sagt: "Er tut mir leid."

Trotzdem: Helmut Kohl zeigt, dass er noch klar denken kann und für sein großes Thema brennt: Europas Einheit. Er spricht davon, dass im November ein Essay von ihm erscheinen wird. "Aus Sorge um Europa", heißt der Appell auf 120 Seiten.

Kohl beendet seine kurze Rede, dann schaltet sich Maike Kohl-Richter ein. Das Mikrofon Kohls ist sensibel, und so hören alle, was seine Frau ihm sagt: "Jetzt musst du noch mal sagen, dass sie es lesen sollen." Kohl gehorcht und nuschelt einen Satz, der tollpatschig wirkt. Es ist ein unwürdiges Ende eines sonst würdigen Auftritts.

© SZ.de/mikö

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