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Althaus: Mediale Inszenierung:Unfassbar peinlich

Ministerpräsident Althaus hat die Verantwortung für seinen Umgang mit dem Skiunfall den Medien zugeschoben. Damit stellt er die Pressefreiheit über die Privatsphäre des Opfers.

Nico Fried

Es war höchste Zeit, dass Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus Einhalt geboten wurde. Und es ist unfassbar peinlich für ihn, dass ausgerechnet die Hinterbliebenen der bei einem Skiunfall getöteten Frau ihn stoppen mussten. Wiederholt hatte Althaus über das Unglück, seine Rekonvaleszenz, seine Gefühle und mehr gesprochen - am liebsten in Interviews.

Der Ministerpräsident Dieter Althaus steht in der Kritik.

(Foto: Foto: seyboldtpress)

So sollte das Bild eines Mannes entstehen, der zugleich Mitleid und Bewunderung verdient, der sich aus einer schweren Krise tapfer wieder herausgearbeitet hat. Und der angeblich für sein Opfer betet, was einem Christdemokraten gut zu Gesicht stehen mag und doch zu den persönlichsten Handlungen gehört, die niemanden sonst etwas angehen.

Als die berechtigten Vorwürfe der Opposition lauter wurden, Althaus instrumentalisiere das Unglück für seinen Wahlkampf, schob der die Verantwortung den Journalisten zu. Deren Fragen zu beantworten entspreche seinem Verständnis von Pressefreiheit, sagte Althaus.

Verrrutschte Maßstäbe

Doch es ehrt ihn nicht, dass er so tut, als stelle er die Pressefreiheit über seine und vor allem die Privatsphäre seines Opfers. Es sagt vielmehr einiges darüber aus, wie sehr bei diesem Mann im Ringen um den Machterhalt die Maßstäbe verrutscht sind.

Jetzt, da Althaus' Behauptung, er habe zum Witwer der Verstorbenen ein freundschaftliches Verhältnis, als Wunschdenken entlarvt ist; jetzt, da bekannt geworden ist, dass die Hinterbliebenen Althaus' Verhalten pietätlos finden; jetzt, da es für Althaus richtig unangenehm wird, haben die Anwälte beider Seiten ein Stillschweige-Abkommen vereinbart. Es ist ein Glück für alle. Und die Pressefreiheit wird daran auch keinen Schaden nehmen.

© SZ vom 22.08.2009/ehr
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