Alternativer Gipfel in München Die Macht der Gipfelgegner soll von der Straße kommen

Weltfremd und naiv seien sie, wird den Gegner des G-7-Gipfels vorgeworfen. Ihre Kritik am "globalen Kapitalismus" würde der Komplexität internationaler Handelsbeziehungen, der Komplexität einer globalisierten Welt nicht gerecht. Tatsächlich ist das Bild, das einige hier zeichnen, recht simpel: Schwarz-Weiß. Gut gegen Böse. So lässt sich auch am besten Stimmung machen. Manchmal klingen Verschwörungstheorien an.

Doch der Gipfel der Alternativen will nicht nur eine Gegenveranstaltung zu Elmau sein. Er will auch konkrete Alternativen anbieten. Alternativen für den internationalen Handel zum Beispiel. Das Freihandelsabkommen TTIP sei jedenfalls genau der falsche Weg, sagt Sven Hilbig, Referent für Welthandel beim evangelischen Hilfswerk "Brot für die Welt".

TTIP verschärfe den "neoliberalen Kurs", der Starke stärker mache und Schwache schwächer. Solidarische, faire Abkommen, ein "alternatives Handelsmandat", fördere dagegen regionales und nachhaltiges Wirtschaften.

Revolutionär geht es auf dem Gipfel der Alternativen nicht zu. Hier geht es um Revision statt Revolution. Das System, so realistisch sind die meisten hier, soll nicht zerstört werden, sondern die Strukturen des Systems sollen verändert werden. Die Demokratie biete dafür die besten Voraussetzungen.

G-7-Gipfel Wann und wo gegen den G-7-Gipfel demonstriert wird
Proteste

Wann und wo gegen den G-7-Gipfel demonstriert wird

Ausnahmezustand in München und Garmisch-Partenkirchen: Der G-7-Gipfel beschert den Bürgern allerhand Unannehmlichkeiten - wo es zu Behinderungen kommt und wann protestiert wird.

Was dazu fehlt, ist die Macht, die erarbeiteten alternativen Vorschläge auch umzusetzen. Es klingt fast ein bisschen niedlich, wenn davon die Rede ist, dass die Ergebnisse des Gipfel auch "künstlerisch umgesetzt" werden sollen. Außerdem gehe es darum, Netzwerke zu knüpfen, die an den Themen der Diskussionen auch nach dem Gipfel weiterarbeiten können.

"Wo bleibt da der Aufschrei?"

Die wirkliche Macht der Gipfelgegner, so hoffen sie, wird von der Straße kommen. Am Donnerstag soll es in München eine Demonstration geben, am Samstag dann in Garmisch-Partenkirchen nahe Elmau. Die Veranstalter hoffen auf Tausende Teilnehmer. Friedliche Teilnehmer. In Heiligendamm vor acht Jahren kam es zu heftigen Ausschreitungen rund um den G8-Gipfel.

Die Mobilisierung in diesem Jahr lief allerdings schleppend. Die Gegner waren sich nicht einig, wo und wie sie ihren Protest zum Ausdruck bringen wollen. Jetzt demonstriert eine Gruppe vor allem in München, eine andere in Garmisch. Auf dem Gipfel der Alternativen versuchen die Organisatoren, das als Taktik zu verkaufen. Man arbeite zusammen, habe die gleichen Ziele. Tatsächlich werden aus München nach der geplanten Demonstration am Donnerstag Busse mit Gipfel-Gegnern Richtung Elmau fahren. Wie viele es werden, ist völlig unklar.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann warnt dennoch bereits seit Wochen vor einer großen Zahl gewaltbereiter Gipfelgegner. "Wir gehen von mindestens zwei- bis dreitausend gewaltbereiten Leuten aus, die sich am Wochenende hier in Garmisch-Partenkirchen aufhalten könnten", erklärt der CSU-Politiker. Das Bündnis der Gegner erklärt, diese Zahlen seien völlig aus der Luft gegriffen. Die Organisatoren distanzieren sich von Gewalt. Natürlich. Zivilen Ungehorsam wolle man jedoch leisten. Dazu gehörten vor allem Blockaden, mit denen der Gipfel behindert werden soll.

Fast reflexhaft kommt der Zusatz der Bündnis-Sprecherin Gisela Voltz von "Mission Eine Welt". Es sei ja das Wirtschaftssystem, das Gewalt ausübe. Eine strukturelle Gewalt, die töte: "Wo bleibt da der Aufschrei?"

Im Münchner Westen klingt der Sommerabend ruhig und ohne Aufschrei aus. Zum Abschluss ein Theaterstück vom Nö-Theater Köln. Es heißt "Gipfelstürmer". Festivalstimmung.