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Alternative für Deutschland:Gauland provoziert mit Neonazi-Parole

Alexander Gauland

AfD-Vizechef galt einmal als vergleichsweise gemäßigt. Das ist lange her.

(Foto: dpa)
  • AfD-Vizechef Alexander Gauland hat gewarnt: "Heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land."
  • Der Spruch fiel bei einer Rede im brandenburgische Elsterwerda und ist in der rechtsextremen Szene beliebt.
  • Der gesamte Auftritt wirkte, als wolle Gauland die AfD noch weiter nach rechts rücken.

Alexander Gauland galt einmal als kluger, streitbarer Vordenker der Konservativen. Aktuell entwickelt er sich zum dumpfen, populistischen Rechtsausleger der Alternative für Deutschland (AfD). Bei einer Rede im brandenburgischen Elsterwerda hat der AfD-Vizechef Angela Merkel als "Kanzler-Diktatorin" bezeichnet und sich eine bei Neonazis beliebte Parole zu eigen gemacht.

Ein Zuhörer hielt vor der Bühne ein Schild in die Höhe, darauf stand: "Heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land." Gauland las diesen Spruch vor und wiederholte ihn später in seiner Rede. Wie die FAS beschreibt, wurde der Satz durch ein Lied der rechtsextremistischen Band "Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten" populär. Später machte die NPD damit Wahlkampf, auch Björn Höcke verwendete die Parole bei einem Auftritt in Erfurt.

Eine Rede voller rechtsextremer Anspielungen

Möglicherweise kannte Gauland diese Vorgeschichte nicht, sodass er quasi versehentlich rechtsextreme Argumentationsweisen bemühte. Doch auch der Rest seiner Rede deutet daraufhin, dass er mit voller Absicht in diesem Milieu auf Stimmenfang geht. Er verteidigte seine Aussage zu Jérôme Boateng ("Ich habe nur ausgesprochen, was jeder von uns weiß"), polemisierte gegen die Politik der Regierung ("Unsere Vorfahren haben dieses Land nicht aufgebaut, damit diese politische Elite es ruiniert und vor die Hunde gehen lässt"), kritisierte das angeblich mangelnde Nationalbewusstsein der Kirchen ("Und es ist Ihre Aufgabe, in den Kirchen dagegen zu wirken, dass dieses Land von der Erde verschwindet und sozusagen nur noch irgendeine uns fremde Bevölkerung hier lebt") und übernahm eine scharfe Attacke seines Vorredners Höcke gegen Merkel ("Ich will den Satz gern aufnehmen: Es ist eine Kanzler-Diktatorin").

Ob bewusst oder unbewusst, sein Auftritt strotzte nur so vor Aussagen, die so auch auf jeder NPD-Veranstaltung hätten fallen können. Wer den Satz "Deutschland ist Scheiße" in den Mund nehme, gehöre "nicht zu unserem Volk und hat hier keinen Platz". Er solle "gefälligst verschwinden und dahingehen, wo der Pfeffer wächst." Man müsse "mit allen Kräften dagegen mobil machen", wenn die Parteien im Bundestag "uns den Nationalstaat nehmen wollen." Denn dann "nehmen sie uns unser Selbstbestimmungsrecht, sie nehmen uns unsere Zukunft, unsere Kraft zum Leben." Die aktuelle "Politik der Überflutung" sei "der Versuch, das deutsche Volk allmählich zu ersetzen durch eine aus allen Teilen dieser Erde herbeigekommene Bevölkerung" (Bei der FAS können Sie die ganze Rede nachlesen.)

Öffentlich geäußerter Rassismus garantiert einen TV-Auftritt

In den vergangenen Wochen war diskutiert worden, ob Medien solche Provokationen nicht einfach ignorieren sollten. Diese inszenierten Skandale seien Teil der Strategie der AfD und würden ihr Stimmen bringen. Doch zumindest im Falle von Gaulands Boateng-Zitat scheint das fraglich. Im Sonntagstrend von Emnid für die Bild am Sonntag verliert die AfD zwei Punkte und kommt auf zwölf Prozent. Zwar ist die Aussagekraft solcher Umfragen umstritten, doch womöglich hat Gauland mit seinem Rechtsaußen-Kurs konservative Wähler abgeschreckt.

Zumindest eine Sache hat er auf jeden Fall erreicht: m aximale Aufmerksamkeit und einen Fernsehauftritt in der Primetime. Heute Abend darf Gauland bei Anne Will über die Frage diskutieren: "Guter Nachbar, schlechter Nachbar - Wie rassistisch ist Deutschland?"

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