Süddeutsche Zeitung

Alternative für Deutschland:AfD-Funktionär nennt Höckes Äußerungen "eindeutig rassistisch"

Der Druck auf den thüringischen Landesvorsitzenden wächst: Immer mehr Parteifreunde fordern ihn auf, die AfD zu verlassen.

Nachdem der Vorstand der AfD Björn Höcke den Parteiaustritt nahegelegt hat, wächst der Druck auf den thüringischen Landesvorsitzenden. Mehrere Funktionäre bekräftigten am Wochenende in der Frankfurt Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) den Wunsch, Höcke möge die AfD verlassen. Auslöser des innerparteilichen Streits waren mehrere umstrittene Äußerungen Höckes, in denen er unter anderem das "Reproduktionsverhalten der Afrikaner" für den "Bevölkerungsüberschuss Afrikas" verantwortlich machte.

Der bayerische Landesvorsitzende der AfD, Petr Bystron, sagte nun der F.A.S.: "Wenn er solche Sachen verbreiten will, muss er sich eine andere Plattform suchen." Die Äußerungen Höckes seien "keine Ausrutscher gewesen". Der thüringische Landesvorsitzende könne nun zeigen, dass er der Partei nicht schaden wolle. Der Hamburger AfD-Vorsitzende Jörn Kruse nannte Höckes Ausführungen "eindeutig rassistisch". Kruse nannte Höcke einen "Wiederholungstäter". Die Partei müsse nun deutlich machen, dass sie solche Äußerungen nicht dulde.

Genau das hatte der Parteivorstand nach einer Krisensitzung zwar getan. Man missbillige die Äußerungen Höckes, hatte Parteichefin Frauke Petry am Freitag erklärt. Auf ein Ausschlussverfahren gegen den umstrittenen Politiker hatte die AfD-Spitze jedoch verzichtet. Stattdessen hofft die Parteiführung offenbar, dass Höcke selber Konsequenzen zieht. Er müsse "sehr stark überdenken, ob er noch Landesvorsitzender in Thüringen bleiben kann", sagte Petry. "Der Bundesvorstand hat sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er mit der Geduld in Bezug auf diese Äußerungen Björn Höckes am Ende ist."

Der Skandal um Höcke kommt für die Partei zu einem ungünstigen Zeitpunkt. In Baden-Württemberg etwa ist gerade Landtagswahlkampf und Äußerungen wie die von Höcke könnten Wähler abschrecken. Die AfD verorte sich im "liberal-konservativen Spektrum" uns wolle Wähler von CDU und FDP abgreifen, sagte Petry in einem Interview mit der ARD. "Missverständliche Äußerungen, die immer Widerhall in der Presse finden, sind für die AfD äußerst schädlich."

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.2790711
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/dpa/AFP/ghe/lala
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.