Als Fußball-Botschafter nach Athen Staatsauftrag für Rehakles

Otto Rehagel, Trainer des griechischen Fußball-Europameisters von 2004, soll die Griechen noch einmal retten: Als Mitglied einer Delegation der Bundesregierung trifft er in Athen Staatspräsident und Regierungschef und spielt mit arbeitslosen Jugendlichen Fußball. Ob das hilft, das Klima zwischen Berlin und Athen zu verbessern?

Von Ralf Wiegand

Otto Rehhagel weiß zu überraschen, schon immer. Den 1. FC Kaiserslautern hat er einst aus der zweiten Liga direkt zur deutschen Meisterschaft geführt. Aus Werder Bremens Anfang der 80er Jahre hoffnungslos verirrter Söldnertruppe machte er eine der erfolgreichsten Fußballmannschaften Deutschlands. Beim FC Bayern München ging er einfach unter, aber nur, um wie Phoenix aus der Asche 2004 die ganze Fußball-Welt zu verblüffen: Rehhagel, heute 74, brachte den bis dahin bedauernswert erfolglosen Griechen die einst geschätzten Tugenden des deutschen Fußballs bei, führte den Libero wieder ein und eilte mit einer Taktik aus der Antike des Ballsports von Sieg zu Sieg - Europameister! Beim Zeus, staunten die Griechen, was für ein Teufelskerl! Sie wählten ihren Nationaltrainer zum Mann des Jahres, ernannten ihn zum Athener Ehrenbürger und tauften ihn Rehakles. Er zitierte weiter Goethe und Schiller und blieb seiner Ottokratie treu: "Jeder darf sagen, was ich will."

Dieser offenbar vom Fußball-Olymp herabgestiegene Bergmannssohn aus Essen-Altenessen war allerdings der letzte Deutsche, von dem die Griechen sich gerne etwas sagen ließen. Als er 2004 mit dem EM-Pokal in der Hauptstadt Athen einzog, beschützte ein mächtiges Polizeiaufgebot den Deutschen - die zu Hunderttausenden feiernden Menschen hätten ihn sonst vor Glück zerdrückt. Kommt Angela Merkel heutzutage nach Athen, sind wieder Heerscharen von Polizisten nötig. Vor überschäumender Freude müssen sie die deutsche Kanzlerin aber nicht abschirmen.

Wäre ganz Griechenland ein Fußballklub, es läge in der Tabelle abgeschlagen auf einem Abstiegsplatz, und um die Lizenz für die neue Saison müsste es sich auch sorgen. Zu wenig Punkte, zu viele Schulden, die Fans wenden sich mit Grausen ab. Griechenland, die Überraschungs-Elf von einst, liegt am Boden, und alle treten nach. Vorneweg die Deutschen.

Es klingt daher wie eine gute Idee des Schicksals, dass sich 2012 bei der Wahl des Bundespräsidenten auch Angela Merkel und der Leih-Grieche Otto Rehhagel begegneten. Rehhagel, der gerade die Hauptstadt in Form von Hertha BSC vor dem Abstieg bewahren sollte, war Wahlmann und die Kanzlerin sowieso da. Ein gutes Jahr später entstand daraus eine Art Staatsauftrag für den Fußball- und Lebensweisen: Er soll die Griechen noch einmal retten oder wenigstens das bilaterale Klima verbessern. Als Mitglied einer Delegation des Griechenland-Beauftragten der Bundesregierung, Hans-Joachim "Fuchtelos" Fuchtel, reist Otto "Rehakles" Rehhagel bald nach Athen, trifft Staatspräsident und Regierungschef, tritt im Fernsehen auf und spielt mit arbeitslosen Jugendlichen Fußball.

41 Jahre nach seiner Profilaufbahn kommt Rehhagel damit zu seinem ersten Länderspiel, denn in die A-Nationalelf hatte es der knallharte Verteidiger leider nie geschafft. Und jetzt nominiert ihn gleich die Kanzlerin - der Mann bleibt eben eine Wundertüte.