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Alleinerziehende:Urlaubsreif

Für viele ist nicht einmal eine einwöchige Ferienfahrt drin. Das ist bitter.

Von Ulrike Heidenreich

Mitten in der Urlaubszeit stellt das Statistische Bundesamt ein Zahlenwerk zur Situation von Alleinerziehenden vor. Die Betroffenen können das ganz aus der Nähe verfolgen. Sie sind im Lande, weil sie sich keinen Urlaub leisten können. Das klingt zynisch, ist aber bitter wahr. Nicht einmal eine einwöchige Ferienfahrt ist für knapp 40 Prozent von ihnen drin. Eine hohe Zahl. Dahinter stecken Enttäuschungen und Verzicht.

In jeder fünften Familie wächst ein Kind mit nur einem Elternteil auf. Das sind 1,5 Millionen Familien und etwa 2,3 Millionen Kinder. Das ist keine Randgruppe. Und es ist keine Erscheinung an den Rändern der Gesellschaft, dass viele arm sind. Eigentlich verdienten Alleinerziehende Wertschätzung, weil sie den Alltag mit Kindern alleine stemmen. Stattdessen haben sie es schwer.

Das Familienministerium hat einiges vorangebracht, um die Anstrengungen zu lindern. Der Kita-Ausbau gehört dazu, ebenso die Ausweitung des Unterhaltsvorschusses. 700 000 Kinder bekommen jetzt Geld vom Staat, wenn der andere Elternteil nicht zahlt. Viele Alleinerziehende wissen aber oft nicht, wo sie welche Leistungen bekommen. Die Unübersichtlichkeit ist auch ein Problem. Wer sich mit Job, Kind und Ex-Partner herumschlägt, hat für komplizierte Behördengänge keinen Nerv mehr.

© SZ vom 03.08.2018

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