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Algerien und Libyens Übergangsregierung:Auf schlechte Nachbarschaft

Mit der Aufnahme von Gaddafis Sippe provoziert Algerien die neue Übergangsregierung in Libyen. Die Rebellen schimpfen in Richtung Algier und danken einem anderen Nachbarland: Sie räumen ein, dass neben der Nato auch der Sudan im Kampf gegen Gaddafi half - das Regime des mutmaßlichen Völkermörders Omar al-Baschir.

Gut waren die Beziehungen zwischen Algerien und dem neuen Regime in Libyen schon bisher nicht. Seit aber die Frau des gestürzten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi samt ihrer Tochter, zwei Söhnen und mehreren Enkeln nach Algerien geflohen war, ist das nachbarschaftliche Verhältnis an einem neuen Tiefpunkt angelangt. Libyen hat am Dienstag seine Wüstengrenze zu Algerien geschlossen. Die Aufnahme der Gaddafi-Sippe bewerten die Rebellen als feindseligen Akt, denn sie wollen die Geflohenen mindestens wegen Korruption vor Gericht stellen.

Rebellen Tripolis Gaddafi

Neue Fahne, neue Machtverhältnisse: Libyscher Rebell an einem Checkpoint der Anti-Gaddafi-Kämpfer in der Hauptstadt Tripolis.

(Foto: dpa)

"Humanitäre Gründe" nennt das algerische Innenministerium, warum man Gaddafis Ehefrau Saifa, Tochter Aischa - die im Exil ein Mädchen zur Welt gebracht hat -, den für seine Skandale in Europa berüchtigten Sohn Hannibal und den politisch bedeutungslosen Mohammed aufgenommen hat. Sie sollen sich in einem gesicherten Haus in der Hauptstadt Algier befinden.

Obwohl sich Algerien grundsätzlich als Transitland für ihre Weiterreise in ein drittes Land versteht, können sie beliebig lange bleiben. Das bringt die libyschen Rebellen gegen den Nachbarstaat auf: "Bouteflika braucht uns nicht persönlich anzuerkennen", wetterte in Bengasi der militärische Sprecher der Rebellen, Oberst Ahmed Omar Bani, gegen den Präsidenten Algeriens. "Uns genügt, dass uns das große algerische Volk anerkennt und sich an uns ein Beispiel nimmt."

Algier erkennt den Übergangsrat und die provisorische Regierung Libyens nicht an. Das soll erst geschehen, wenn der Rat glaubhaft machen kann, dass er entschlossen gegen den Erzfeind des algerischen Regimes, die Maghreb-Qaida, kämpft - so wie das Gaddafi getan hat. Einige der islamistischen Kampfgruppen, die entscheidend zum Sieg der Rebellen beitrugen, haben nach Auffassung Algiers dieselben politischen Ziele wie al-Qaida, auch wenn sie sich organisatorisch von ihr getrennt haben.

Das gelte für den "Kommandeur des Militärrates von Tripolis", Abdul Hakim Belhadj, aber nicht für ihn allein. Er gründete einst gegen Gaddafi die Libysche Islamische Kampfgruppe LIFG, war Afghanistan-Kämpfer, wurde von der CIA gefangen und später nach Libyen ausgeliefert. Unter dem Versöhnungsprogramm des untergetauchten Gaddafi-Sohns Saif al-Islam handelte er im Gefängnis die Freilassung von verhafteten Gesinnungsgenossen aus und wurde selber im März 2010 aus der Haft entlassen. Heute gehört Belhadj zur Islamischen Bewegung Libyens für Veränderung, die dem Übergangsrat angehört.