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Syrien:Aleppo, eine Schönheit in Trümmern

Die Stadt kann so beeindruckend werden wie einst - wenn der Sieg der Regierung nicht infrage gestellt wird: Das ist die Botschaft der Bilder, die das Assad-Regime im zerstörten Aleppo hat aufnehmen lassen.

Dem Sieger gehören die Bilder. Und wenn sie eindrucksvoll genug sind, muss er sie nicht mal fälschen. Auch die Rebellen, die Kämpfer gegen das Regime von Baschar al-Assad, die sich über Jahre im Ostteil Aleppos gehalten haben, veröffentlichten Fotos der Zerstörung. Die Front verlief durch die Altstadt, die russischen und syrischen Kampfflieger zerstörten mit ihren Bomben Menschen und Gebäude. Nachdem aber die letzten Aufständischen aus dem Ostteil, nun, evakuiert war ja immer das falsche Wort, eher schon: in Gefangenschaft, Folter oder den sicheren Tod verschleppt wurden, gibt es neue Bilder, sie zeigen dasselbe, sollen aber eine ganz andere Geschichte illustrieren.

Die syrische Armee hat einen Rundgang mit Journalisten und Fotografen durch das vollständig eroberte Aleppo gemacht, und dabei sind Bilder entstanden, die sich nun zur Rettung der Stadt vor dem Untergang zusammensetzen lassen, als Auftrag an Assad sozusagen. Seht her, so sagen die Bilder, so schön war Aleppo einst, so schön kann es wieder werden, wenn nur der Sieg der Regierung nicht infrage gestellt wird.

Dabei waren es ja vor allem die syrischen oder russischen Kampfbomber, die den Osten Aleppos in Schutt und Asche gelegt haben, die das Hammam Al-Nahasin beschädigt haben, das Nahasin-Badehaus aus dem 13. Jahrhundert, das drauf und dran war, ein Touristen-Tipp zumindest für männliche Gäste zu werden, die den Vorplatz der Zitadelle, einen offenen Platz mit Restaurants, in ein Trümmerfeld verwandelt haben, die die Omajjaden-Moschee beschädigt haben, überhaupt: Moscheen, Shopping-Malls, Schulen, Krankenhäuser zerstört haben. Menschenleben nicht eingerechnet.

Auch die Rebellen schossen, verminten, untertunnelten

Nun ist es nicht so, dass alle Rebellen sich überschlugen für den Schutz Aleppos. Die schlagkräftigste Truppe im Ostteil waren die einstigen Al-Qaida-Freunde der Nusra-Front, die sich inzwischen in Dschabhat-al-Scham-Front umbenannt haben, die Front zur Befreiung Syriens, ohne, dass sich an ihrer talibanesken Ideologie etwas geändert hätte. Auch die Rebellen schossen, verminten, untertunnelten. Nichts davon tat Aleppo gut.

So zeigen diese Bilder vor allem ein jäh gebrochenes Versprechen. Vor Ausbruch des Krieges war Aleppo, wie weit auch immer von einer Demokratie entfernt, so doch dank seiner Schönheit, seiner Geschichte, seiner Geschäftstüchtigkeit und vieler Millionen Dollar für die Restaurierung der Altstadt ein Ass im Ärmel des aufblühenden Syrien-Tourismus. Architekten, Denkmalschützer und Archäologen, auch in Deutschland, bereiten sich seit Jahren auf die Stunde null vor, wenn der Wiederaufbau Aleppos beginnen kann. Dass sie so bitter werden würde, darf niemanden überraschen.

© SZ vom 07.01.2017/pamu

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