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Al-Qaida:Topterrorist wohl tot

Handout picture of Saudi fugitive Ibrahim Hassan al-Asiri as seen at the Saudi interior ministry

Ibrahim Hassan al-Asiri soll von einer US-Drohne in Jemen getötet worden sein. Der Saudi-Araber entwickelte Sprengstoffe und Zünder, die Detektoren nicht aufspüren konnten.

(Foto: Reuters)

Wegen des Terroristen Ibrahim Hassan al-Asiri wurden Fluggastkontrollen verschärft. Er soll von einer US-Drohne in Jemen getötet worden sein.

Der Name Ibrahim Hassan al-Asiri ist wohl nur Geheimdienstlern und Terrorexperten geläufig. Doch jeder, der in den vergangenen Jahren in einem westlichen Land ein Flugzeug bestiegen hat, musste indirekt Bekanntschaft mit dem 1982 in Saudi-Arabien geborenen Mann machen: Er gilt als Mastermind hinter einer Serie von Anschlagsversuchen des Terrornetzwerks al-Qaida auf die zivile Luftfahrt. Einer Katastrophe wie dem 11. September 2001 entging die Welt nur knapp, weil die Zündvorrichtungen der Sprengsätze versagten - nicht weil die Geheimdienste die Pläne rechtzeitig aufgedeckt hätten.

Die ausgefuchsten Bomben-Konstruktionen al-Asiris führten aber dazu, dass die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen drastisch verschärften. Seinetwegen gibt es das Verbot, Flüssigkeiten mit an Bord zu nehmen, er löste den zeitweiligen Laptop-Bann auf Flügen vom Nahen Osten oder Europa in die USA und nach Großbritannien aus. Seit 2007 war der ehemalige Chemiestudent der Chef-Bombenbauer von al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel. Geheimdienstler halten den Ableger in Jemen für die gefährlichste Filiale des Terrornetzwerks, wenn es um Anschläge gegen Ziele im Westen geht.

Nun verdichten sich die Informationen, dass er bei einem Angriff einer US-Drohne in Jemen in der zweiten Jahreshälfte 2017 getötet worden ist. Zuerst publik wurde die Information in einem UN-Bericht, inzwischen bestätigten in Jemen Stammesleute aus der Provinz Marib und Regierungsmitarbeiter dies, ebenso mehrere Regierungsquellen in den USA. Dort warnten allerdings andere Geheimdienstler, die Hinweise seien nicht eindeutig. Eine Bestätigung durch al-Qaida gibt es bislang nicht. Das Terrornetzwerk ehrt getötete Kader mit offiziellen Nachrufen, die mindestens als starker Hinweis gelten, dass eine Todesmeldung zutreffend ist. Manchmal veröffentlichen die Dschihadisten diese aber erst Monate später. Al-Asiri hatte zuvor schon mehrere Drohnenangriffe überlebt.

Er war aus Sicht der US-Terrorabwehr seit Jahren einer der gefährlichsten Männer überhaupt. Fünf Millionen Dollar waren für Informationen ausgesetzt, die es erlauben, ihn ausfindig zu machen. Gefürchtet war sein Einfallsreichtum, Sprengstoffe und Zünder zu entwickeln, die herkömmliche Detektoren und Scanner an Flughäfen nicht aufspüren können.

Im August 2009 versuchte Abdullah al-Asiri, der jüngere Bruder, mit einem Selbstmordattentat den damaligen saudischen Innenminister Mohammed bin Nayef zu töten. Umstritten ist unter Sicherheitsexperten bis heute, ob er die von seinem Bruder gebaute Bombe in der Unterhose trug oder gar in seinem Hintern versteckt hatte. Als sicher gilt, dass er seinen Bruder für die tödliche Mission rekrutierte. Es gelang Abdullah al-Asiri, die Sicherheitskontrolle im Haus des Prinzen zu passieren und sich in die Luft zu sprengen, als er den Chef der saudischen Terrorabwehr begrüßte. Mohammed bin Nayef überlebte verletzt.

Nur Monate später, am ersten Weihnachtstag, versuchte sich der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab in einer US-Passagiermaschine mit 290 Menschen an Bord im Anflug auf Detroit in die Luft zu sprengen. Er wurde als Unterhosenbomber bekannt; das Sprengstoffgemisch zündete nicht. Aber die flüssigen und pulverförmigen Ausgangsstoffe waren bei der Sicherheitskontrolle in Amsterdam nicht aufgefallen. Im Jahr darauf gelang es al-Asiri, als Bomben präparierte Laserdrucker mit Ziel USA in Frachtflugzeugen zu platzieren; die Pakete blieben beim Umladen in Doha, Dubai, Köln und im britischen East Midlands unbemerkt. Weder Sprengstoffhunde, noch Röntgenscanner oder chemische Analysen von Wischtests schlugen an. Später stellte sich heraus, dass ein Polizeibeamter eine der Bomben unwissentlich entschärft hatte, als er die Kartusche aus dem Drucker nahm. In ihr war der Sprengstoff versteckt.