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Al-Qaida:9/11-Strippenzieher soll Reporter hingerichtet haben

Khalid Scheich Mohammed ist das Mastermind hinter dem 9/11. Und er soll persönlich den Journalisten Daniel Pearl umgebracht haben - zum Ärger von Osama bin Laden.

Dreieinhalb Jahre dauerte das Pearl Project, ein Forschungsprojekt der Georgetown University, dessen Abschlussbericht der Washington Post nun vorliegt. Darin untersuchten die Wissenschaftler unter anderem den Mord an dem Reporter David Pearl, der Anfang 2002 in Pakistan verschleppt und getötet wurde und kamen zu dem Ergebnis: Der in Guantanamo einsitzende Top-Terrorist Khalid Scheich Mohammed war es, der dem Journalisten die Kehle durchschnitt.

Khalid Sheik Mohammed

Er plante nicht nur, er tötete auch: Top-Terrorist Khalid Scheich Mohammed (Archivbild).

(Foto: AP)

Pearl war Anfang 2002 bei Recherchen in Pakistan verschleppt und ermordet worden. Er hatte vor, ein Interview mit einem Extremisten zu führen, der Beziehungen zu Richard Reid gehabt soll, der 2001 mit einer Bombe in seinem Schuh einen Anschlag auf ein Flugzeug geplant hatte. Später wurde ein Videofilm an US-Diplomaten geschickt, der die Enthauptung Pearls zeigt.

Auf diesem Video ist die Hand des Mörders zu sehen. Mediziner des Pearl Projects haben nun anhand eines Venenabgleichs nachgewiesen, dass es sich um die Hand von Khalid Scheich Mohammed handelt. Dem Guantanamo-Häftling werden zahlreiche andere terroristische Verbrechen zur Last gelegt. Er selbst behauptet, federführend für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich gewesen zu sein.

Auch dass er Pearl ermordet habe, hatte der Top-Terrorist bereits 2007 zugegeben - allerdings war er zu dem Zeitpunkt von der CIA inhaftiert gewesen und der Washington Post zufolge 183 Mal der Foltermethode des Waterboardings ausgesetzt worden. Daher zweifelten die ermittelnden Behörden an seiner Darstellung und haben ihn wegen dieses Verbrechens bislang nicht angeklagt.

Allerdings handelt es sich bei dem Video um eine Nachstellung - beim ersten Versuch der Aufzeichnung soll der Terrorist Pearl zwar umgebracht haben, seine Komplizen sollen jedoch technische Probleme bei der Aufzeichnung gehabt haben. Dem Bericht zufolge drehten die Extremisten daher erneut, in dieser Aufzeichnung schlug Khalid Scheich Mohammed dem Journalisten angeblich den Kopf ab und verstümmelte seinen Körper.

Viele der Mittäter sind noch frei

Propaganda-Video verärgert bin Laden

Das Video wurde zu Propaganda-Zwecken gedreht - Al-Qaida-Chef Osama bin Laden soll allerdings nicht begeistert gewesen sein. Ein namentlich nicht genannter Guantanamo-Häftling erzählte laut Washington Post dem FBI, bin Laden sei wütend gewesen, dass Pearl so brutal und öffentlich umgebracht worden sei, da dieser Mord dem Terrornetzwerk unnötig Aufmerksamkeit bescheren werde.

Daniel Pearl

Journalist David Pearl recherchierte für das Wall Street Journal in Pakistan (Archivbild).

(Foto: AP)

Khalid Scheich Mohammed sei dem Bericht zufolge zuvor von ranghöheren Al-Qaida-Mitgliedern angewiesen worden, Pearl von seinen eigentlichen Entführern zu übernehmen. Die ursprünglichen Entführer rund um den britisch-pakistanischen Extremisten Omar Scheik hätten demnach nicht recht gewusst, was sie mit ihrer Geisel anfangen sollten. Über einen Verbindungsmann sei daraufhin der Kontakt zu Mohammed hergestellt worden. Die Übergabe habe in einem Außenbezirk der pakistanischen Metropole Karatschi stattgefunden.

Insgesamt seien 27 Männer an der Entführung und dem Mord Pearls beteiligt gewesen. 14 von ihnen liefen bis heute in Pakistan frei herum. Das interpretieren amerikanische Medien als Beweis dafür, wie schlecht die Zusammenarbeit der amerikanischen Geheimdienste mit den pakistanischen Partnern sei. Die Entführung und der Austausch Pearls sei eine der ersten Operationen gewesen, bei der militante Gruppen aus Pakistan mit al-Qaida zusammengearbeitet hätten, zitiert die New York Times aus dem Pearl-Report.

© sueddeutsche.de/AP/bavo/liv

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