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Al-Qaida-Propaganda:Strategiewechsel bei al-Qaida?

Die gerade erschienene dritte Ausgabe beschäftigt sich intensiv mit den Ende Oktober vereitelten Paketbomben-Anschlägen. Unbekannte hatten ebenfalls im Jemen Sprengstoff in zwei Computerdruckern versteckt. Der Paketdienst UPS wurde beauftragt, die gefährliche Fracht nach Chicago zu befördern. Noch bevor die Bomben in Barack Obamas Heimatstadt eintrafen, schlug der saudi-arabische Geheimdienst Alarm.

Inspire

Bombenbau in Muttis Küche und Nachrichtenverschlüsselung: Inspire erklärt wie.

Stolz präsentiert Inspire angeblich exklusive Fotos von den präparierten Druckern. "$ 4200" steht auf der Titelseite des Magazins - circa 3000 Euro also soll das Attentat seine Urheber gekostet haben. Dem stünden "etliche Milliarden Dollar" entgegen, die vor allem westliche Staaten nun investieren müssten, um den Frachtverkehr sicherer zu machen. "Das nennen wir Hebelwirkung", heißt es in dem Artikel höhnisch.

"Strategie der tausend Wunden"

Das Kalkül von Inspire: Mit vielen kleineren und billigen Attacken soll auf der ganzen Welt ein Gefühl von Angst und Unsicherheit erzeugt werden. "Die Strategie der tausend Wunden", nennt das der anonyme Autor. Dass die Paketbomben abgefangen wurden und es zu keiner Explosion kam, habe kaum Bedeutung. "Das wäre nur so etwas wie ein Bonus gewesen."

Dieser Aufruf passt zum Strategiewechsel, der sich bei al-Qaida-Gruppen beobachten lässt. In der Vergangenheit hatten sie sich aus Afghanistan und Pakistan auf die Vorbereitung großer und spektakulärer Anschläge konzentriert. Doch nach den Anschlägen von 9/11 haben Staaten weltweit mit viel Geld ihre Sicherheitsvorkehrungen drastisch erhöht. Die Gefahr, entdeckt zu werden, ist bei solch aufwendigen Aktionen also hoch. Doch wie sollen Geheimdienste verhindern, dass etwas passiert, wenn Hunderte selbstgebastelte Bomben mit der Frachtpost verschickt werden? Erneut wird in Inspire behauptet, der Absturz eines UPS-Flugzeugs Anfang September in Dubai gehe auf das Konto von al-Qaida.

Ansonsten bietet auch die dritte Ausgabe einen zynischen Mix aus Themen und Darstellungsformen: Ein Kriegscomic ist darunter, eine professionell anmutende Anleitung zur Nachrichtenverschlüsselung sowie ein Erfahrungsbericht aus einem Terror-Ausbildungslager. Auch bei der Leser-Blatt-Bindung ist Inspire auf der Höhe der Zeit: Die Leser werden aufgerufen, ihre Gedanken, Berichte oder Fotos an die Redaktion zu schicken.

So sehr al-Qaida mit Inspire auch seine Propaganda professionalisiert haben mag, in der neuesten Ausgabe ist den Machern doch ein Fehler unterlaufen. Auf Seite 25 stehen unter der Überschrift "Der Staub wird sich niemals legen" einige Namen: Salman Rushdie ist darunter, die Islam-Kritikerin Ayaan Hirsi Ali, sowie mehrere Redakteure der dänischen Zeitung Jyllands-Posten, die vor fünf Jahren den Streit um Mohammed-Karikaturen ausgelöst hatte. Darunter liegt, dramatisch beleuchtet, eine Pistole - ein eindeutiger Aufruf zum Mord.

Die Waffe jedoch ist eine Magnum Desert Eagle - und wird in Israel hergestellt, dem Hassobjekt aller Islamisten.

© sueddeutsche.de/gba
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