Aktuelles Lexikon Werte-Union

Es ist vielsagend, dass es in CDU und CSU derzeit zwei Unionen gibt, die für unterschiedliche Richtungen stehen.

Von Paul Munzinger

Man darf davon ausgehen, dass eine Gruppe namens Union in einem Parteienduo desselben Namens für sich beansprucht, so etwas wie die wahre Seele dieser Parteien zu verkörpern. Insofern ist es durchaus vielsagend, dass es in CDU und CSU - den Unionsparteien - derzeit zwei Unionen gibt, die für recht unterschiedliche politische Richtungen stehen: Die "Union der Mitte", die ihre Selbstverortung praktischerweise im Namen trägt. Und die "Werte-Union", die innerhalb von CDU und CSU ganz rechts steht - dort also, wo man bei der Namensfindung eher auf Richtungsangaben verzichtet. Gegründet im März 2017, um einer angeblich um sich greifenden "inhaltlichen Beliebigkeit" in CDU und CSU "einen frischen, konservativen Geist entgegenzusetzen" (Selbstdarstellung), ist von der Werte-Union zuletzt häufiger die Rede, weil mehr oder weniger prominente Mitglieder sich äußern - allen voran Hans-Georg Maaßen, der frühere Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Diese Wortmeldungen haben auch der Werte-Union eine gewisse Prominenz verschafft, die ihre Bedeutung innerhalb der beiden Parteien aber übertreffen dürfte. Nach eigenen Angaben hat die Gruppierung mehr als 2000 Mitglieder, ihr Vorsitzender ist Alexander Mitsch, der am Samstag für zwei weitere Jahre gewählt wurde.