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Aktuelles Lexikon:Verbiss

Rehe fressen junge Pflanzen - zum Unmut des Menschen.

Von Sebastian Herrmann

Ein jedes Wesen auf diesem Planeten ist dazu verdammt, sich auf irgendeine Art und Weise mit Energie zu versorgen. Während der Mensch seine Nahrung längst im Supermarkt erwirbt, muss das Schalenwild im Wald auf Futtersuche gehen. Zum Schalenwild zählen unter anderem Rehe, Hirsche oder auch Wildschweine. Jäger fassen diese in der ihnen eigenen Sprache unter dieser Bezeichnung zusammen, weil sie alle zu den Paarhufern zählen und deren Klauen im Waidmannswesen als "Schalen" bezeichnet werden. Dieses Wild frisst also Knospen, Blätter und Zweige junger Pflanzen, für die der Mensch seinerseits ein Nutzungsrecht beansprucht. Die Spuren der Futtersuche werden als "Verbiss" bezeichnet. Aus menschlicher Sicht handelt es sich dabei um gravierende Schäden. Frisst Wild die Triebe und Blätter junger Bäume, verlangsamt dies nämlich die weitere Entwicklung der Pflanzen. Überleben Fichten, Buchen oder andere Arten den Verbiss, entwickeln sie sich oft nur mehr sehr langsam zu sogenanntem Krüppelwuchs. Die gerade erarbeitete Novelle des Bundesjagdgesetzes sieht nun vor, dass unter anderem mehr Rehe geschossen werden sollen, damit weniger angepflanzte Jungbäume beschädigt werden. Dies soll den gewünschten Umbau des Waldes weg von Monokulturen hin zu Mischwäldern erleichtern.

© SZ vom 03.08.2020
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