Aktuelles Lexikon Urlaub

Freizeit, Erholung? Früher hatte das Wort andere Bedeutungen.

Von Rudolf Neumaier

Unter den vielen Gründen, Urlaub zu gewähren, hat sich der Aspekt der Erholung durchgesetzt. Die Werktätigen sollen neue Kraft schöpfen, ehe sie verkümmern. Oft nützen sie diese Zeit für Reisen. Daher ist der Begriff Urlaub zu einem Synonym für Ferienflüge, für Besuche von Hotelbettenburgen, in denen sich die Gäste rund um die Uhr volltanken und Sonnenbrände holen, sowie für Aufenthalte auf matschigen Campingplätzen verkommen. Fraglich, ob diese Orte wirklich förderlicher für Leib und Seele sind als ein anständiger Arbeitsplatz. Gleichwohl hat das Bundesarbeitsgericht nun Arbeitgeber dazu verdonnert, ihre Beschäftigten auf verfallenden Urlaub hinzuweisen. Urlaub hieß einst: Dispens, aber auch Suspendierung. Um eine Pinkelpause für Pennäler konnte es sich ebenso handeln wie für Soldaten um Auszeit vom Krieg. "Wenn sich der Schüler auf kurze Zeit aus der Lehrstunde entfernen will, so bittet er den Lehrer um Urlaub", heißt es in Adelungs "Grammatisch-kritischem Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart" aus dem Jahr 1793. Dem Meistersinger Hans Sachs zufolge entledigten sich Nürnberger Patrizierinnen unartiger Dienstmägde durch Urlaub: "Hat viel Gficks mit jungen Knaben, drum sol sie heut auch Urlaub haben." Urlaub bekamen nur böse Mädchen, der Rechtsweg war ausgeschlossen.