Aktuelles Lexikon:Trollfabrik

Wohin gehen Trolle zur Arbeit? Ein Klärungsversuch.

Von Lea Deuber

In Trollfabriken werden keine Fabelwesen produziert, sondern Falschinformationen. Da das als Produkt schwer zu greifen ist, tragen die Fabriken den Namen ihres Personals. Der Ursprung des Begriffs Troll ist nicht eindeutig geklärt. Einige vermuten ihn im englischen Wort trolling, was übersetzt Schleppangeln heißt und dem Vorgehen der Trolle im Netz ähneln soll. Andere glauben, dass sich der Begriff von den rüpelhaften Unholden aus der nordischen Mythologie ableitet, die heute bucklig und langnasig in jedem norwegischen Souvenirshop stehen. In Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Zauberwelt sind sie riesenhaft, gewalttätig und schrecklich hässlich. Moderne Trolle sind weltweit anzutreffen und in den sozialen Netzwerken heimisch. Gezielt sorgen sie dort für Unmut und Chaos. Für ihre Arbeit brauchen Trolle keine schweren Maschinen, sondern nur einen Computer. Der russische Troll, der zum Schaffen in die Fabrik fährt, trollt auch nicht zum Spaß. Er lässt sich vom Kreml bezahlen. Zwei Studien des US-Senats belegen nun, dass Moskau damit die Stimmung vor der Präsidentschaftswahl 2016 beeinflusst hat und auch andere politische Debatten. Die Trolle randalierten zwar für Putin. Profitiert haben soll aber auch Donald Trump, in dem nicht wenige eine andere Art des Trolls vermuten.

© SZ vom 19.12.2018
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB