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Aktuelles Lexikon:Superreich

Das Feindbild in den aktuellen Kapitalismusdebatten.

Von Andrian Kreye

Superreich ist ein Schlagwort aus den Debatten um wirtschaftliche Gerechtigkeit und Globalisierung. Als Begriff haben die Superreichen die Plutokraten abgelöst. Damit wurden vor allem im Nationalsozialismus die Vertreter einer Geldherrschaft aus dem vor allem englischen und amerikanischen Kapitalismus als Feindbild aufgebaut. In den aktuellen Kapitalismusdebatten haben die Superreichen wiederum internationale Finanzinstitutionen und Banken als Feindbild abgelöst. Eine gültige Definition für Superreiche gibt es nicht. Im amerikanischen Volksmund heißt es beispielsweise, "wer Linie fliegt, ist nicht reich". Ansonsten sind es vor allem investierbares Vermögen und Einkommen, die als Messlatte genommen werden. Ein Bericht des Credit Suisse Research Institute beziffert ein Einkommen von 50 Millionen Dollar als Grenze von reich zu superreich. Der World Ultra Wealth Report bezeichnet bereits Menschen mit einem Gesamtvermögen von 30 Millionen Dollar als "ultra high-net-worth individuals". 2017 wurden so weltweit 226 450 Menschen als superreich klassifiziert. Sie halten insgesamt 13 Prozent des globalen Gesamtvermögens. In den USA und Asien sind es meist Männer, die ihr Vermögen in der Digitalindustrie oder im Finanzwesen gemacht haben. In Europa zählen dazu auch viele Erben.

© SZ vom 02.12.2019
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