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Aktuelles Lexikon:Skizze

Wie Ideen auf Papier Gestalt finden - und manchmal im Abfall landen.

Ideen formen sich nicht unbedingt nur im Kopf, manch einer braucht auch die Hand dazu. Schreibt oder zeichnet man seine noch wabernden Gedanken auf, erst einmal nur für sich selbst, nehmen sie oft eine neue Wendung, finden auf Papier zur Gestalt. So ist die Skizze der Idee verwandt, woraus das Italienische eine Kunstphilosophie machte: disegno bedeutet Skizze, Entwurf im ideellen wie im praktischen Sinn. Der Kunstschriftsteller Giorgio Vasari befand im 16. Jahrhundert, wer viel vorzeichne, sei auch ein besonders kluger Künstler, klüger jedenfalls als jene Maler, die direkt auf die Holztafel oder Leinwand pinseln. Diese Argumentation diente ihm dazu, den Vielzeichner Michelangelo zum größten aller Künstler zu erklären. Der aber war scheu mit seinen Skizzen, er schenkte sie bloß ausgewählten Schülern und Freunden und verbrannte den Großteil kurz vor seinem Tod, damit die Medici-Familie sich nicht ihrer bemächtigen konnte. Sein Kollege Gerhard Richter war weniger vorsichtig, als er vor einigen Jahren seine missratenen, nicht signierten Skizzen ungeschreddert in seine Kölner Altpapiertonne warf. Dort entwendete sie ein Dieb und versuchte, sie zu verscherbeln. Was dem Künstler nicht gefiel. Ein Gericht gab dem Zeichner nun recht, verhängte eine Geldstrafe und ordnete die Herausgabe der Blätter an.