bedeckt München

Aktuelles Lexikon:Schweinshaxe

Für die einen eine Spezialität, für andere ein Virus-Überträger.

Von Franz Kotteder

Wer im Münchner Hofbräuhaus jemals eine chinesische Reisegruppe dabei beobachten durfte, mit welch fassungsloser Begeisterung sie auf den Anblick ganzer, knusprig gebratener Schweinshaxen reagierte, der kann den Schrecken ermessen, der jetzt in China herrschen dürfte. In der ostchinesischen Stadt Tianjin soll sich nämlich ein Arbeiter in einem Kühlhaus an einer gefrorenen Schweinshaxe aus Deutschland mit Corona infiziert haben, berichten staatliche Medien. Die deutsche Spezialität, so heißt es, soll aus Bremen importiert worden sein. Das mag bayerische Vorurteile über den unsachgemäßen Umgang der Norddeutschen mit dem unteren Teil des Schweinebeins bestätigen. Zwar gibt es beispielsweise auch in Berlin eine gewisse Haxentradition - dort pökelt und kocht man diesen Teil der Sau, nennt das Eisbein und serviert es mit Sauerkraut und Erbsenpüree. Für die meist am Spieß gebratene und gegrillte Variante mit der besonders knusprigen Schwarte ist aber vorwiegend Bayern berühmt. Die resche Kruste ist die eigentliche Delikatesse: Das Fleisch im unteren Bereich der Haxe gilt als eher minderwertig. Zusammen mit Dunkelbiersauce und Knödel serviert, hat die Schweinshaxe den Ruf der Bayern als uriges Bergvolk mit Hang zu deftigen Speisen wohl sehr befördert. Und das nicht nur in China.

© SZ vom 10.11.2020
Zur SZ-Startseite